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Umgestalten

Wenn wir merken, dass Annahmen, die wir lange Zeit für richtig hielten, plötzlich als falsch erscheinen, dann heißt es umzudenken. Wenn die militärische Aufrüstung gegenwärtig als plausibel erscheint, wenn die Solidarität mit Israel gezwungenermaßen auf dem Prüfstand steht, wenn sich das Role Model USA immer mehr als antidemokratisch darstellt und wenn das Internet nicht mehr freie Meinungsäußerung bedeutet, sondern zur Propaganda verkommt, müssen wir unsere tradierten Wertvorstellungen hinterfragen und mit dem Umgestalten beginnen. Aber nicht nur auf politischer Ebene erfahren wir diesen Wertewandel. Zur Diskussion steht, wo und wie wir am besten arbeiten, zuhause oder im Büro, mit KI oder ohne KI. Zum ersten Mal gibt es 2022 in Deutschland eine Mehrheit von Menschen ohne kirchliche Bindung. Die Kirchen und ihre ethischen Vorstellungen verlieren ständig an Bedeutung. Noch vieles mehr könnte hier angeführt werden, um aufzuzeigen, dass sich unsere Gesellschaft derzeit in einem umfangreichen Prozess der Umgestaltung befindet.

In Zeiten des Wertewandels werden Richtlinien und Regelungen transformiert, wir befinden uns in einem Zustand der Metamorphose. Gemeinsamkeiten scheinen sich aufzulösen und ihre grundlegenden Vorstellungen zu verblassen. Neue Herausforderungen werden sichtbar. Denn letztlich geht es in erster Linie nicht um einen Wertewandel, nicht nur um ein Umdenken, sondern um ein verändertes Handeln, ein Umgestalten.

Vergleichbar mit dem Surrealismus des 20. Jahrhunderts entwickeln Künstler*in­nen aufgrund der Zunahme anti-demokratischer Kräfte Bilder einer „Über-Realität“. Die Gruppenausstellung Surrrrealität versammelt Werke dieser aktuellen Tendenz. Die vier rrrr verkörpern die Wut und die Ablehnung gegenüber den realen Entwicklungen heute.

Bereits zum elften Mal vergibt der Kunstverein Wolfsburg im Jahr 2026 den arti, den Kunstpreis für Wolfsburger Künstler*innen. Der arti ist ein thematischer Wettbewerb mit einer überregionalen Jury. Für die Ausschreibung suchen wir stets ein Thema, das mit dem Jahres­thema in Verbindung steht.

In einer Einzelausstellung im Sommer/Herbst 2026 zeigt Anna McCarthy wie ein Umgestalten auf künstlerischer Ebene konkret aussehen kann. Sie überarbeitet Textilien, übermalt transparente Tisch­decken oder transformiert Tageszeitungen. Dabei beschränkt sie sich nicht nur auf das Feld der bildnerischen Kunst, sondern verbindet in ihrem Schaffen
Theater, Kunst, Musik und Performance.

Die letzte Ausstellung des Jahres 2026 trägt den Titel Es bewegt sich was. Künstler*innen thematisieren Bewegung oder produzieren Kunst mit beweglichen Elementen in einer Zeit großer Verän­derungen. Sie reagieren damit auf eine Phase der Instabilität, aber auch auf Anzeichen realer Fortschritte.