Öffnungszeiten

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Fr 14–17
Sa 13–18h
So u. Feiertags 11–18h


Eintritt frei!

Zukunftsvisionen

Im Zeitraum der Pandemie wurden die Menschen mit zahlreichen, teils sehr überraschenden Änderungen konfrontiert. Sie erlebten Einschnitte in ihrem sozialen Handeln und mussten ihr Berufs- und Alltagsleben in massiver Weise umstrukturieren. Häufig waren dies nicht nur individuelle Umbrüche, sondern auch kollektive. Das Arbeiten im Team wurde neu determiniert und mündete in Phänomene wie zahlreichen Videokonferenzen oder intensivem Home Office. Familien mussten auf die Schließung von sozialen Einrichtungen wie Kitas, Schulen oder Pflegeheimen reagieren und ihr Zusammenleben neu planen. Religiös oder sportlich geprägte Gemeinschaften durften sich nicht mehr treffen und ihre gewohnten Handlungen durchführen. Das Angebot an Freizeitaktivitäten wurde wesentlich reduziert und führte zu einer Wiederentdeckung des Waldes und des Fahrradfahrens. In dieser Krisensituation machen sich viele Menschen Gedanken über die Zukunft: Wie kann es weitergehen? Was erwartet uns in der Zukunft? Kann man die Ausnahmesituation zu etwas Konstruktivem nutzen und der Krise eine positive Wendung geben? Schon der Lockdown hatte in Deutschland auch seine positiven Seiten, wie den sinkenden CO2-Verbrauch oder die durch Absagen bedingte Entschleunigung des Alltagslebens.
Der Kunstverein Wolfsburg will die Pandemie, die sicher auch noch das Jahr 2021 prägen wird, als Chance wahrnehmen, Visionen von Künstler*innen zu präsentieren, die sich mit zukünftigen, vor allem kulturellen Entwicklungen beschäftigen. Sie reflektieren die emotionalen Auswirkungen, Verhaltensänderungen und die Neuformulierung von Bildsprachen in diesen besonderen Zeiten.

Lob der Distanz

Die Betrachtung aus einem Abstand kann die Beziehungen zu anderen stärken und neu bestimmen. Ein distanzierter Blick bedeutet oft auch ein höheres Maß von Reflexion und Objektivität. Die Pandemie hat uns gezeigt, dass die Distanz neben offensichtlich negativen auch ihre positiven Seiten hat. Durch die praktizierten Schutzmaßnahmen hat der Abstand einen sozialen Charakter gewonnen und damit eine neue Relevanz erlangt. Die Betrachtung von Abstandsverhältnissen und Trennungen kann auch ein Thema der künstlerischen Praxis sein. Schon vor der Pandemie-Krise beschäftigten sich Künstler*innen mit Strategien der Distanzierung und der entfernten Sicht. Sie reflektieren die Auswirkungen von Entfernungen und die Machtverhältnisse, die sie erzeugen.

Das Unerwartete

Die Corona-Pandemie kam vollkommen unerwartet. Ihre Auswirkungen sind bis heute zu einem weiten Grad unabsehbar. Für viele bedeutet sie einen tiefen Einschnitt in ihre Lebensumstände. Bei nicht wenigen führten sie zu irrationalen Vorstellungen und Handlungen. Die Störung des Gewohnten schürt Ängste vor dem neuen Unerwarteten, das kommen könnte und fordert unsere Flexibilität heraus. Das gänzliche Unbekannte ist gerade in der Kunst häufig ein Qualitätsmerkmal. Es korrespondiert mit dem, was als neu bezeichnet wird, in direkter Verbindung – die Novität, die Innovation, die für die Kulturgeschichte des Menschen schon immer von immenser Bedeutung war.

Rui Zhang

Die Werke der chinesischen Künstlerin Rui Zhang besitzen die Kraft des Visionären. Sie verwendet in ihren Gemälden, Grafiken, Installationen und Animationsfilmen Motive des Science Fiction, einer technifizierten Zukunft, und verbindet diese mit Gegenwärtigen und Vergangenen. Sie verknüpft dabei autobiografische Erinnerungen aus der Kindheit mit mythologischen Erzählungen oder populären Motiven, die sie in den Medien findet. Rui Zhangs einzigartige Ausdrucksweise wird durch ungewöhnliche Bildtechniken wie Airbrush oder die Verwendung holografischer Malgründe noch unterstützt. Ihre Werke berühren existentielle Fragen und verarbeiten Themen wie Identität, Migration und das Fremde. Die Welt erscheint als Assemblage, die einerseits unmittelbar fasziniert, andererseits nur schwer zu entschlüsseln ist.

Der medizinische Blick
Wissenschaftsästhetik und Kunst

Jeder Mensch weiß inzwischen, wie ein Virus aussieht. Bilder der Wissenschaft sind durch die Pandemie zum festen Bestandteil der Alltagskultur geworden sind. In ihrer Bildpraxis bedient sich die Naturwissenschaft besonderer Darstellungsformen und Technologien wie MRT, Röntgenstrahlen etc. Der Arzt von heute führt seine professionellen Handlungen häufig in Kombination von Screens und virtuellen Bildern durch, beispielsweise bei Operationen am menschlichen Körper. Die Resultate der Sehapparate, die Fotos, Grafiken und Modelle, die sie produzieren, faszinieren Künstler*innen und werden vermehrt Teil ihrer ästhetischen Praxis. Durch das Aufgreifen von Motiven der wissenschaftlichen Bildwelt werden zunehmend Verbindungen zwischen naturwissenschaftlicher Forschung und bildender Kunst hergestellt.