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Eintritt frei!

Die Corona-Pandemie kam vollkommen unerwartet. Die Auswirkungen sind bis heute zu einem weiten Grad unabsehbar. Für viele bedeutet sie einen tiefen Einschnitt in ihre Lebensumstände. Bei nicht wenigen führten sie zu irrationalen Vorstellungen und Handlungen. Die Zukunft ist bei allen Prognosen nur schwer zu bestimmen, da man nicht wissen kann, ob ein neues Unerwartetes, auf uns zukommen könnte.

Andererseits argumentieren Psycholog*innen wie Tania Luna und Lee Ann Renninger, dass das Unerwartete und Überraschende unser Leben bereichern kann. Wir sind gewohnt alles berechnen zu können. Dabei waren unsere Vorfahren viel mehr mit dem Unerwarteten konfrontiert. Sie waren besser auf das Unvorhergesehene eingestellt. Das Unerwartete fordert unsere Flexibilität heraus. Wir müssen lernen, uns den jeweiligen Situationen anzupassen. Ein als bedrohlich gesehenes Ereignis, wie die Pandemie unterstreicht die Tatsache, dass, wie Biologen feststellten, die Fähigkeit der Flexibilität für die Evolution von großer Bedeutung ist: wer flexibler ist, lebt länger.

Das gänzlich Unbekannte ist gerade in der Kunst aber häufig ein Qualitätsmerkmal. Es korrespondiert mit dem, was als neu bezeichnet wird, in direkter Verbindung – die Novität, die Innovation, die für die Kulturgeschichte des Menschen schon immer von
immenser Bedeutung war.

Das Unerwartete kann in verschiedenster Weise in Ausstellungen erscheinen. Wenn die israelische Künstlerin Ann Oren für ihren neuesten Film „Passage“ ein Tier-Mensch-Mischwesen als Protagonisten wählt, kann das manche Betrachter überraschen. Oder wenn sie einer aufgehängten Menschhaut aus Latex mit darauf projiziertem Kopf begegnen, wie in einer Installation von Sophie Brauckmann. Ein Künstler wie Tobias Dostal agiert schon seit längerem im Zwischenbereich von bildender Kunst und Illusionismus. Nicht selten sind es Performances, gefilmt oder real, die einen Überraschungsmoment besitzen. Verblüfft waren z. B. die Teilnehmer*innen einer Führung durch die Autostadt, als sich ihr Guide, Wanda Dubrau, plötzlich auszog und ins Wasser des Hafenbeckens sprang. Nicht weniger erstaunt, waren die Besucher eines Baumarkts, als die peruanische Künstlerin Elizabeth Wurst eine Tanzaufführung mit einem Einkaufwagen aufführte.

Die Betrachtung aus einem Abstand kann die Beziehungen zu anderen stärken und neu bestimmen. Der distanzierte Blick bedeutet aber auch ein höheres Maß von Reflexion und Objektivität. Er schafft einen Überblick. Nicht direkt in Angelegenheiten involviert zu sein, kann ein Mehr an unabhängiger Betrachtung bedeuten. Der Ausdruck, einen Abstand zu etwas gewinnen, bedeutet, eine Position einzunehmen, in der man Sachverhalte klarer sehen und Vorgänge genauer betrachten kann. Die Pandemie hat uns gezeigt, dass die Distanz neben offensichtlich negativen auch ihre positiven Seiten hat und Beziehungen neu determiniert. Durch die praktizierten Schutzmaßnahmen hat der Abstand einen sozialen Charakter gewonnen und damit eine neue Relevanz erlangt.

Die Betrachtung von Abstandsverhältnissen und Trennungen kann auch ein Thema der künstlerischen Praxis sein. Auch schon vor der Pandemie-Krise beschäftigten sich Künstler*innen mit Strategien der Distanzierung und der entfernten Sicht. Sie reflektierten die Auswirkungen von Entfernungen und die Machtverhältnisse, die sie erzeugen.

Der US-amerikanische Künstler Dan Graham stellte mit Hilfe von Zeichnungen, Skulpturen und Installationen räumliche Situationen her, die die Relation von Sehen und Gesehen werden und damit den Machtanspruch moderner Architekturen veranschaulichen. Dennis Graef und Meike Redeker sind Künstler*innen der Region, die sich mit Grenzen und Grenzüberschreitungen beschäftigt haben und wir bitten möchten, speziell zu dieser Thematik eine Arbeit für „Lob der Distanz“ zu produzieren. Wenn man die Hochsitze von Ilka Meyers Installation „Gegenüber“ in den Innenraum verlegt, bietet dies eine ungewohnte, „abgehobene“ Sicht auf die Ausstellungs-exponate. Der Betrachter gewinnt mit dem Blick von oben eine besondere Form der Übersicht. In Corinna Schnitts Video „Vollendete Vernunft“ rufen sich Personen aus weiter Entfernung mit Hilfe von Megaphonen alltägliche Sätze zu – für die Künstlerin eine Metapher auf die oft banale Kommunikation in den Social Media.

In „Too much power (too little power)“ werden künstlerische Arbeiten gezeigt, die sich mit dem Streben nach Selbstoptimierung, nach mehr persönlicher Energie auseinandersetzen. Als konträres Phänomen wird auch die Situation des Ausgepowert-Seins miteinbezogen. Denn ein Zuviel-an-Energie kann als Folge auch das Gegenteil nach sich ziehen.

Auch die Kunstwelt sollte sich verstärkt Gedanken über die sinnvolle Verwendung von Energie machen. Regenerative Energien und Energiesparen sollen zukünftig auch in der Ausstellungspraxis miteinbezogen werden. Die Ausstellung „Erneuerbare Medien“ des Kunstverein Wolfsburg greift diese Überlegungen als Thema für eine Gruppenausstellung auf und lädt dazu unter anderem Emanuel Mooner ein, der im Sommer 2019 in München die erste Solar-Akku betriebene Kunstausstellung präsentierte.

Künstler*innen: atelier für zukünfte, Anita Marijana Bajic, Axel Bosse, Luz Helena Marin Guzmán, Jörg Hennings, Eileen Lofink, Tarabea Guastavino San Martín, Anna Miethe, Hellen Niemann/Linus T. Schulz, Walter Winter

Es ist wieder Zeit für den arti! Der Wettbewerb des Kunstverein Wolfsburg wurde bereits zum 8.Mal ausgeschrieben und richtet sich an Künstler*innen mit Wohnsitz und Lebensmittelpunkt in Wolfsburg. Er bietet den künstlerisch Schaffenden eine Plattform für lebendigen Austausch und dient der Förderung der lokalen Kunstszene. Wie bereits in den vergangenen Jahren orientiert sich die Ausschreibung thematisch am Jahresmotto des Kunstverein Wolfsburg, das in diesem Jahr „Alles eine Frage der Energie“ heißt. Für den arti 2020 lautet es daher: „Mit Energie“.

Die Jury, in diesem Jahr bestehend aus Sina Heffner (Künstlerin), Justin Hoffmann (Leiter, Kunstverein Wolfsburg), Stine Hollmann (Geschäftsführerin, Kunstverein Wolfenbüttel), Nele Kaczmarek (Kuratorin, Kunstverein Braunschweig) und Noor Mertens (Leiterin, Kunstverein Langenhagen) sichtete die zahlreichen Einreichungen und bestimmte die zehn Nominierten, deren Arbeiten in der Ausstellung und im begleitend erscheinenden Katalog vertreten sind.

Am 18.06.2020 wurden die Preisträger*innen im Rahmen einer feierlichen Eröffnung mit einem Preisgeld (1000 Euro für den ersten Patz, 500 Euro für den zweiten Platz, sowie 300 Euro für den dritten Platz) und einer Medaille ausgezeichnet.

Erste Siegerin wurde die Künstlerin Luz Helena Marín Guzmán, der zweite Preis ging an Eileen Lofink, den dritten Platz machte Anna Miethe. Als musikalisches Highlight begleitete Johann Ehlers die Veranstaltung mit Gesang und Piano.

Pandemiebedingt fand die Preisverleihung nur in Anwesenheit der Künstler*innen und Redner*innen statt und wurde als Livestream übertragen. Das Video ist weiterhin auf unseren Kanälen auf Facebook und Youtube zum Anschauen verfügbar.

 

 

Die in Berlin lebende Künstlerin Folke Köbberling sticht unter den Künstler*innen, die sich mit Nachhaltigkeit, Urbanismus und Ökologie beschäftigen, durch ihre Konsequenz und ihr Einfallsreichtum besonders heraus. Zu vielen Gruppenausstellungen dieser Themenbereiche wurde sie eingeladen, nicht zuletzt zur weltweit gezeigten Ausstellung „zur nachahmung empfohlen! expeditionen in ästhetik und nachhaltigkeit“ (Berlin, Peking, Lima etc.). Auch an zwei Gruppenausstellungen des Kunstverein Wolfsburg war sie in der Vergangenheit beteiligt: Flexibilität (2004) und Industriestadtfuturismus (2005/6). Inzwischen ist sie in der Nähe von Wolfsburg tätig und lehrt viel beachtet als Professorin für architekturbezogene Kunst an der TU Braunschweig – noch ein Grund, eine Einzelausstellung von Folke Köbberling im Kunstverein Wolfsburg zu präsentieren.

Der Titel der Ausstellung ist eine Aufforderung, sich des eigenen Lebensstils bewusst zu machen und ihn den gegenwärtigen globalen Bedingungen anzupassen. Er bezieht sich auf George Bush, der 1992 in einer Rede behauptete: “The American way of life is not negotiable”. Nationalstaatliches Denken vs. globaler ökologischer Herausforderungen ist eine Konfrontation von hoher Aktualität, gerade wenn man an den brennenden Regenwald denkt. Hier ist ein Umdenken, eine Flexibilität im Lebensstil gefragt, die vielen nicht leicht fällt.

In ihrer Ausstellung im Kunstverein Wolfsburg zeigt Folke Köbberling anhand ihrer künstlerischen Arbeiten verschiedene Möglichkeiten auf, mit Energie umzugehen. Ihre direkte Herangehensweise wirkt erstmal überspitzt, grotesk und irritierend, ist aber in einer Zeit der drohenden Klimakrise essentiell und wichtig. Dabei arbeitet sie immer auch ortsspezifisch und nützt den Ausstellungsraum zu besonderen Interventionen.

Comics sind ein wesentlicher Bestandteil der Alltagskultur. So ist es wenig erstaunlich, dass sich auch Künstler unter den Fans der Comic-Kultur befinden. Spätestens seit der Pop Art hat sich dieses Interesse an Comics auch in bildnerischen Arbeiten manifestiert. Mit der Referenz an Comic-Geschichten und -Figuren ist stets ein Abwenden von der Hochkultur verbunden. Ihre Anregungen holen sich diese Künstler mehr „von der Straße“ als aus der Tradition der bildenden Kunst.

Gegenstand der von Comics beeinflussten künstlerischen Arbeiten ist häufig die Auseinandersetzung mit persönlichen Erlebnissen, mit der eigenen Identität. Um diese real geschehenen Begebenheiten oder tatsächlich erlebten Phantasien wiederzugeben, bedienen sich diese Künstler keiner naturalistischen Darstellungsform, sondern der tradierten Text-Bild-Sprache der Comic Strips. Sie liefert ein Schema, das diesen Narrationen Leichtigkeit und Humor verleiht.

Die Ausstellung „Strips & Characters“ zeigt Arbeiten von 16 Künstlern, die in den letzten Jahren oder speziell für dieses Projekt entstanden sind. In ihr sind neben Zeichnungen und Gemälden auch Videos, skulpturale Arbeiten und ein großes Wandgemälde zu sehen.

Zur Ausstellung wird ein Katalog in Form eines Comicheftes veröffentlicht. Begleitend wird eine Filmreihe stattfinden und in Zusammenarbeit mit dem Rockbüro der Stadt Wolfsburg im Anschluss an die Vernissage ein Konzert mit Jim Avignon aka Neoangin, X and the Living End (Electronicat/ Queen Of Japan), Fehmi Baumbach und Angie Reed.

Die erste Einzelausstellung des Berliner Künstlers Ulf Aminde, Meisterschüler der UDK Berlin (2004) versammelt Arbeiten aus dem Zyklus „the survival of the fittest“, die zwischen 2003 und 2005 enstanden sind. Punker, Trinker und Obdachlose, Menschen, die auf der Strasse leben und ihr soziales Leben dort verbringen bzw. dort arbeiten, sind die Protagonisten dieser teilweise raumgreifenden Video- und Soundinstallationen. Die gesuchten und inszenierten Situationen hinterfragen soziale Zustände und wie diese wahrgenommen werden.

So beschreibt die Arbeit „Weiter“ (2002) in der Punks auf ihre Weise „Reise nach Jerusalem“ spielen, auf humorvolle Weise spezifisches soziales Verhalten und wirft Fragen der Gruppenbildung, des Zugehörigkeitsgefühls und der gesellschaftlichen Zuordnung auf. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Zugehörigkeit als Künstler.

Für die Soundinstallation „Ohne festen Wohnsitz“ (2004) besuchte Ulf Aminde mit drei Obdachlosen die MOMA-Ausstellung in Berlin. In dem 30-minütigen Gespräch wird man Zeuge einer anrührenden Unterhaltung über einige der berühmtesten Kunstwerke der Welt, die aber vor allem Ausschlussverfahren im Kunstbetrieb und etablierte Muster der Kunstbetrachtung verdeutlicht.

Der Arbeits- und gleichzeitige Ausstellungstitel kommentiert nicht nur das selektive Verhalten unserer Gesellschaft sondern beschreibt den Überlebenswillen und die Überlebensstrategien marginalisierter Gruppen und Personen im bestehenden System. Beispielhaft dafür die Videoinstallation „Täter und Opfer“ (2004), entstanden aus einer einjährigen Dokumentation einer Gruppe von Ostberliner Trinkern.

In seiner neuesten Arbeit „Das Leben ist kein Wunschkonzert“ (2004/2005) bringt Ulf Aminde 25 als Ich-AG arbeitende Straßenmusiker innerhalb einer Video- und Soundinstallation zusammen und lässt sie ein gemeinsames ohrenbetäubendes Konzert spielen.
Allen Arbeiten gemein ist sein Interesse am Darstellen dieser anderen Lebens- und Arbeitssituationen nicht als bemitleidenswerte, die zu verändern und dem System anzupassen sind sondern als alternative, deren Eigenarten und Besonderheiten es wahrzunehmen gilt.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs jährt sich 2005 zum 60. Mal. Der Kunstverein Wolfsburg nimmt dies zum Anlass, sich mit einer Gruppenausstellung, Vorträgen und Diskussionen, mit der relativen Trennlinie zwischen Krieg und Frieden und dem Verhältnis von Mensch und Maschine in militärischen Konflikten auseinander zu setzen.

Die Kriege in Jugoslawien und gegen Afghanistan und Irak haben das Verständnis von Politik verändert. Ihre Folgen für die Weltordnung, die Wirtschaft und Umwelt sind weitreichend, aber in ihrer ganzen Dimension noch nicht abzusehen. Massendemonstrationen in verschiedenen Ländern zeigen, mit welchem Engagement sich die Menschen dagegen zu Wehr setzen. Auch die Kriegsberichterstattung hat sich geändert. Den Reporter an der Front gibt es schon lange nicht mehr. Statt dessen sorgen militärisch inszenierte Live-Berichte von „embedded journalists“ und simulierte Angriffssituationen am Computer für die totale Mediatisierung des Kriegsgeschehens. Politische und religiöse Gründe treten dabei in den Hintergrund oder dienen nur noch als Vorwand für ökonomische Interessen. Krieg ist längst zu einem schwer durchschaubaren abstrakten Machtspiel verschiedener Allianzen geworden.

In der Ausstellung „Non-Stop“ des Kunstverein Wolfsburg wird es weniger um eine Beschäftigung mit aktuellen oder spezifischen Kampfhandlungen gehen, sondern um eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem Krieg als politisches Mittel, seinen Motivationen, seinen Mechanismen und seinen Wirkungen auf symbolischer Ebene. Dabei sollen aber auch lokale Faktoren Beachtung finden, wie z.B. die Konstituierung Wolfsburgs nach Anforderungen der Kriegsökonomie. Auf zwei spezielle Aspekte wird ein besonderes Augenmerk gelenkt werden. Einerseits möchten wir dem Jahresthema entsprechend das Verhältnis von Mensch und Maschine im Status des Krieges beleuchten, andererseits dessen Endpunkt hinterfragen, d.h. die Übergangsphase von Krieg zu Frieden.

Der Zusammenhang zwischen Krieg und Maschinen ist evident: Denn als beste Soldaten gelten jene, die wie Maschinen handeln. Die soldatische Disziplin könnte als Verfahren beschrieben werden, Menschen in Maschinen zu verwandeln, als Weg, menschliche Fehler so weit als möglich zu eliminieren. Durch die hierarchische Befehlstruktur werden komplexe. Handlungsabläufe voraussagbar. Die einzelnen Soldaten funktionieren wie Teilchen im Getriebe. Diese Form der Disziplinierung geht über die Arbeitsdisziplin von Fließbandarbeitern weit hinaus, deren Handlungsspektrum vergleichsweise eindimensional erscheint. Soldaten werden in der militärischen Ausbildung für den Krieg vorbereitet. Nur in Kriegszeiten können sie ihre besondere Fähigkeiten zum Einsatz bringen. Töten im Frieden ist für sie in der Regel nicht erlaubt.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Grenze zwischen Krieg und Frieden. Stets ist zu fragen: wer hat die Definitionsmacht, einen Krieg als beendet zu erklären. Bisweilen werden eigentliche Sieger und Kriegsziele hinter humanistischer Rhetorik und Scheininstitutionen verborgen. Zudem ist das offizielle Kriegsende nicht immer mit der Beendigung kriegerischer Handlungen identisch. Wie die Situation im Irak in den letzten Monaten zeigte, können Aufständische einen fragwürdigen Frieden durch eine Kontinuität von Anschlägen in Frage stellen. So sind nach dem Kriegsende mehr amerikanische Soldaten gefallen als während der militärischen Auseinandersetzungen. Ein anderer Aspekt ist, zu verfolgen, in wie weit ein Kriegsende einen Anfang, einen Nullpunkt markiert, oder ob Entwicklungen kontinuierlich weiterlaufen, als wenn es keinen großen Neuanfang gegeben hätte. Foucault sprach in Abwandlung eines bekannten Zitats in diesem Zusammenhang vom Frieden als Krieg mit anderen Mitteln.

Der Elektropopklub ist ein Kulturaustauschprojekt besonderer Art. Vom Kunstverein Wolfsburg konzipiert wurde dieser Club zuerst in Bytom in Polen in Zusammenarbeit mit der dort beheimateten Galerie Kronika Mitte August eröffnet und findet nun in Wolfsburg seine Fortsetzung. Der Elektropopklub ist eine deutsch-polnische Arena, in der die Vertreter verschiedenster Disziplinen von bildender Kunst über Tanz, Film, Musik, Performance bis zu Mode gegeneinander antreten. Bytom hat einen solchen Club so dringend nötig wie Wolfsburg. Der Elektropopklub ist kein kommerzieller Musikclub, bietet mehr als nur Afterwork-Entspannung. Dieses Projekt findet im Rahmen des deutsch-polnischen Jahres 2005/2006 statt.

In Bytom war der Elektropopklub ein voller Erfolg. Mit einfachen aber prägnanten Mitteln wurde dem Club im Zentrum der Stadt ein einzigartiges Aussehen verliehen. Wie erhofft vermischten sich darin die verschiedenen kulturellen Szenen. Er wurde gut besucht. In den polnischen, aber auch deutschen Medien fand er große Beachtung.

Die Club Maker des Elektropopklub waren inhaltlich und formal für diesen Ort verantwortlich. Auf deren Arbeit basiert auch die nächste Stufe dieses Projekts in Wolfsburg. Es sind:

Marcin Dos
Mitglied der Künstlergruppe Bedzin Beat und der Emergency Party Makers, Bedzin/Warszawa

Emanuel Günther aka Dr. Mooner
Künstler, Gründer des Elektronikmusiklabels Erkrankung durch Musique und Mitglied der Band Club le Bomb, München

Jakub Jezierski
Graphiker, Webdesigner, Warszawa

Kamilla Kanclerz
Modedesignerin (Label: eastern chick), Innenarchitektin, Warszawa

Barbara Loreck
Künstlerin, Mitbegründerin des KünstlerInnennetzwerkes fernwärme und Co-Kuratorin der gleichnamigen Performance-Reihe im ausland, Berlin

Katharina Marszewski
deutsch-polnische Künstlerin, DJ, Braunschweig

Agnieszka Psiuk/Adrian Chorebala
Macher des Kulturmagazins ultramaryna, Katowice

Franziska Wicke
Künstlerin, Mitglied der Freien Klasse Braunschweig

In Wolfsburg wird der Kunstverein einerseits mit Hilfe des (selbst gebauten) Bytomer Inventars in einen Club verwandelt, andererseits ein Ausstellungsort bleiben, da u.a. in der neuen Lounge des Elektropopklubs die künstlerischen Aktivitäten und Ergebnisse des Bytomer Clubs zu sehen sein werden. Jeweils Donnerstags- und Freitagsabends finden im Kunstverein Veranstaltungen wie Konzerte, Partys, Performances oder Filmpräsentationen statt. Zur Eröffnung am 14. Oktober kommt es sogar zum Kulturaustausch dreier Staaten: Das 15-jährige Bestehen des exzellenten österreichischen Musikmagazins skug wird gleich mitgefeiert. Dabei werden die Warschauer Frauen des Disco-Punk-Duos Mass Kotki auf drei Männer aus Wien mit dem knalligen Namen TNT Jackson treffen.

Dieses Projekt findet im Rahmen von Büro Kopernikus statt. Büro Kopernikus ist eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes.

BÜROkopernikanische Wende

Texte, Projekte und Materialien zum deutsch-polnischen Kulturaustausch 2004-2006
www.buero-kopernikus.org