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Eintritt frei!

Erneuerbare Medien

28/08–08/11/2020

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Eröffnung: 27/08 um 19 h *
Künstler*innen: Aram Bartholl, Joseph Beuys, Joaquin Fargas, Christina Hemauer & Roman Keller, Martin Kaltwasser, Emanuel Mooner, Ingo Schulz

Pop Up Shop mit Produkten von Little Sun
(gegründet von Olafur Eliasson)

Raum für Freunde: arteen 2020: NRG!
Laufzeit: 28/08 – 20/09/2020

Die Ausstellung „Erneuerbare Medien“ ist ein Versuch, Technologie, Ökologie und künstlerische Praxis zusammen zu bringen. Erneuerbare Energiequellen und Nachhaltigkeit sind Themen von hoher gesellschaftlicher Brisanz und aktuell wie nie zuvor. Auch die Kunstwelt macht sich immer mehr Gedanken dazu. Auch die Kunstwelt muss gängige Muster hinterfragen und denken. Inwieweit kann und muss man sich in der Kunstproduktion und Ausstellungspraxis ebenfalls um das Energiesparen und die Nutzung regenerativer Ressourcen kümmern? Wie weit kann sich der Kunstbetrieb gegen den drohenden Klimawandel engagieren? Wie kann sich dieses Engagement konkret in den Medien der Kunst niederschlagen? „Erneuerbare Medien“ versammelt künstlerische Arbeiten, welche auf regenerativen Energien beruhen oder sie thematisieren.

Als einer der Vorläufer dieser interventionistischen Kunstrichtung gilt Joseph Beuys. Als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts beschäftigte er sich schon sehr früh mit dem Thema der Energie, stets in enger Verbindung mit Natur und Ökologie. Der Kunstverein zeigt die Arbeit „Phosphor-Kreuzschlitten“von 1972. Die vermeintlich erste, mit Solar-Akku betriebene Kunstausstellung Deutschlands präsentierte im Sommer 2019 der Münchner Künstler Emanuel Mooner. Sein Konzept der solarbetriebenen Kunst ist site-specific. Für die Ausstellung im Kunstverein Wolfsburg 2020 entwickelt er ein vergleichbares Projekt wie in München: Er transformiert mittels eines Frequenzwandlers Informationen von Pflanzenblättern in MIDI-Daten, die Klänge erzeugen. Titel: „The Singing Garden“. Ebenfalls mit Sonnenenergie arbeitet Joaquin Fargas. Sein Roboter mit dem Namen „Glaciator“ (2011) arbeitet in der Antarktis mit Solarenergie. Seine Aufgabe besteht darin, Schnee zu Eis zu verdichten. Das von ihm produzierte Eis soll in gewisser Weise das Eis, das durch die Erderwärmung schmilzt, kompensieren.
Auch die Soundinstallation „Trockenübungen“ (2016) von Ingo Schulz wird solarbetrieben. Seine Gruppe von Kreisregnern, ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Wassersprengen, beraubt, produziert angetrieben vom Sonnenlicht ein polyrhythmisches, mehrstimmiges Stück. Schon seit langem setzten sich die Schweizer Künstler*innen Christina Hemauer und Roman Keller mit den unterschiedlichsten Formen der alternativen Energiequellen auseinander. Im Kunstverein Wolfsburg präsentieren sie nun drei ihrer themenspezifischen Arbeiten, unter anderem „Come On Beuys Shine“ (2005), mit der sie direkten Bezug auf Joseph Beuys’ berühmte „Capri-Batterie“ (1985) nehmen.
Die grundlegende Frage nach ressourcenschonender Energiegewinnung und Nachhaltigkeit beschäftigt auch Martin Kaltwasser seit jeher. Lösungen sucht er dafür im urbanen Raum unter Einbeziehung der Bedingungen städtischen Lebens und den Bedürfnissen der Gemeinschaft. In Zusammenarbeit mit Folke Köbberling entstand 2003 das Kraftwerk Lohberg, in dem auf stationären Pedalkraftmaschinen, hergestellt aus recycelten Materialien, allein durch menschliche Bewegung real nutzbare Elektroenergie erzeugt wird. Aram Bartholl untersucht die Folgen digitaler Medien und die daraus resultierenden Veränderungen für die Gesellschaft. Seine Installation „Life is a beach and then you die“ (2019) stellt essentielle Fragen: Wie nutzen wir unsere Lebenszeit in der mediendominierten Gegenwart ? Wie viele Stunden verbringen wir mit der Arbeit vor Bildschirmen? Wie viel Energie geht dadurch verloren?

*Die Eröffnung fand aufgrund der Pandemie im Freien im Schlosspark statt, eine begrenzte Anzahl an Besuchern konnte nach erfolgreicher Anmeldung teilnehmen. Der offizielle Part wurde per Livestream übertragen und kann hier nachträglich geschaut werden.

 

Die Ausstellung ist ein Projekt der phaenomenale und wird gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, der Stiftung Niedersachsen, Neuland und der Stadt Wolfsburg.

arti 2020: Mit Energie

19/06–09/08/2020

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Eröffnung und Preisverleihung: 18/06/2020, 19 Uhr*

Künstler*innen: atelier für zukünfte, Anita Marijana Bajic, Axel Bosse, Luz Helena Marin Guzmán, Jörg Hennings, Eileen Lofink, Tarabea Guastavino San Martin, Anna Miethe, Hellen Niemann/Linus T. Schulz,Walter Winter

Der alle zwei Jahre vom Kunstverein Wolfsburg ausgeschriebene Wettbewerb richtet sich an Künstler*innen mit Wohnsitz und Lebensmittelpunkt in Wolfsburg. Er bietet den künstlerisch Schaffenden eine Plattform für lebendigen Austausch und dient der Förderung der lokalen Kunstszene. Wie bereits in den vergangenen Jahren orientiert sich die Ausschreibung thematisch am Jahresmotto des Kunstverein Wolfsburg, das 2020 „Alles eine Frage der Energie“ lautet. Der 8. arti lief daher unter dem Titel „Mit Energie“.

Aufgrund der Pandemie wurden erstmals die Möglichkeiten der Einreichung erweitert, um allen Teilnehmern maximale Sicherheit zu gewährleisten. Ob postalisch, online oder unter Einhaltung der Hygieneverordnungen vor Ort: Trotz Corona wurden von 35 Künstler*innen bis zu drei, meist extra für den Wettbewerb konzipierte Arbeiten eingereicht.

Am 19.05.2020 begutachtete die Jury aus regionalen und überregionalen Expert*innen die zahlreichen Einreichungen und bestimmte zehn Nominierte, deren Arbeiten in der Ausstellung und in der Publikation vertreten sind. Unter diesen befinden sich auch die drei Preisträger*innen, die bei der Eröffnung mit einem Preisgeld  (1000 Euro für den ersten Patz, 500 Euro für den zweiten Platz, sowie 300 Euro für den dritten Platz) und einer Medaille ausgezeichnet wurden. In diesem Jahr bestand die Jury aus Sina Heffner (Künstlerin), Justin Hoffmann (Leiter, Kunstverein Wolfsburg), Stine Hollmann (Geschäftsführerin, Kunstverein Wolfenbüttel), Nele Kaczmarek (Kuratorin, Kunstverein Braunschweig) und Noor Mertens (Leiterin, Kunstverein Langenhagen).

Die Preisverleihung und –Ausstellungseröffnung 2020 fand aufgrund der Krisensituation erstmals online statt. Sie wurde am 18. Juni, 19h auf der Homepage des Kunstverein Wolfsburg per Livestream übertragen: Nur Redner*innen und Künstler*innen waren vor Ort anwesend. Musiker Johann Ehlers begleitete die Veranstaltung musikalisch mit Gesang und am Klavier. Erste Siegerin wurde die Künstlerin Luz Helena Marín Guzmán mit ihrer 103 Einzelbilder umfassenden, mit digitaler Zeichnung bearbeiteten Fotoserie  “Lockdown”. Der zweite Preis ging an Eileen Lofink für ihre Installation „from pure air we have descended“. Drittplatzierte wurde Anna Miethe mit ihrer Videoarbeit „x-raybbit“. Die Ausstellung zum arti 2020 zeigte die unterschiedlichen Positionen aller 10 nominierten Künstler*innen zum Wettbewerbsthema “Mit Energie”. Ausstellungsbegleitend erschien ein Katalog.

*Die Eröffnung und Preisverleihung kann hier nachträglich geschaut werden.

 

Mit freundlicher Unterstützung von Volkswagen, Volksbank BraWo und Stadt Wolfsburg

Folke Köbberling: Lifestyle Is Negotiable

28/02–10/05/2020

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Eröffnung: Donnerstag, den 27. Februar 2020, 19 h

Parallel im Raum für Freunde: Energie+-
Arbeiten von Studierenden des Instituts für Architekturbezogene Kunst, TU Braunschweig

Laufzeit: 28/02 – 10/05/ 2020

Wer im Sommer letzten Jahres den Blick von der Berliner Brücke in Richtung Stadion schweifen ließ, hat es vielleicht entdeckt: Ein Fassadenteil des leerstehenden Wolfsburger Billen-Pavillons war mit Schafswolle eingekleidet. Mit der Installation Low Tech Isolation machte die Berliner Künstlerin Folke Köbberling auf alternatives und natürliches Dämmmaterial aufmerksam, mit dem sie schon lange experimentiert.

Passend zum Auftakt seines Jahresprogramms 2020 „Alles eine Frage der Energie“ widmet der Kunstverein Wolfsburg der Künstlerin die Einzelausstellung „Folke Köbberling –Lifestyle Is Negotiable“, die am Donnerstag, den 27. Februar 2020 um 19 Uhr eröffnet wird. Folke Köbberling sticht unter den Künstler*innen, die sich mit Nachhaltigkeit, Urbanismus und Ökologie beschäftigen, durch ihre Konsequenz besonders heraus. In diesem Sinne gleicht der Ausstellungstitel einer Aufforderung, sich des eigenen Lebensstils bewusst zu werden und ihn den gegenwärtigen globalen Bedingungen anzupassen. Sie bezieht damit eine konträre Position zu George Bush, der 1992 in einer Rede behauptete: “The American way of life is not negotiable!”(dt.: Der amerikanische Lebensstil ist nicht verhandelbar!). Dieser von der Künstlerin angestrebte Paradigmenwechsel ist angesichts der drohenden Klimakrise von hoher Aktualität und gut nachvollziehbar. Mit Arbeiten aus Schafswolle, mit wiederverwendetem Plastikmüll oder einem Umzug mithilfe der öffentlichen Verkehrsmittel bietet sie innovative Lösungsansätze auf ressourcen-und energiesparender Basis. Ihre direkte Herangehensweise wirkt erstmal überspitzt, grotesk und irritierend, spiegelt aber auch den Ideenreichtum der Künstlerin wider. Die Präsentation im Kunstverein Wolfsburg gibt einen Einblick in sowohl vergangene als auch aktuelle Projekte und nutzt den Ausstellungsraum für besondere ortsspezifische Interventionen.

Folke Köbberling (*1969) studierte Bildende Kunst in Kassel und Vancouver und kurzzeitig Architektur in Berlin. Die Künstlerin, die von 1998 bis 2013 mit Martin Kaltwasser  zusammenarbeitete und oft Arbeiten für den öffentlichen Raum realisierte, nahm weltweit an Ausstellungen teil und war bereits an zwei Gruppenausstellungen (2004, 2005) des Kunstverein Wolfsburg beteiligt. Seit 2016 hat sie die Professur für Künstlerisches Gestalten am Institut für Architekturbezogene Kunst an der TU Braunschweig inne. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Braunschweig.

 

Die Ausstellung wird gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, der Stadt Wolfsburg sowie der Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg.

 

V für Verantwortung

22/11/2019–02/02/2020

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Eröffnung: 21/11/19, 19 Uhr

Künstler*innen: Giulia Bowinkel & Friedemann Banz, Stefan Hurtig, Jan Neukirchen, Xin Xin, Pinar Yoldas

Kuratiert von: Jennifer Bork

Der Titel der Ausstellung lehnt sich an die bekannte Graphik-Novel V für Vendetta von Alan Moore und David Lloyd an, aus dem Anonymous die Verwendung der Guy Fawkes-Maske entlehnt hat. Die Frage nach der Verantwortlichkeit erscheint als eine der drängendsten in Bezug auf die Digitalisierung. Die Komplexität von Handlungsauswirkungen erreicht durch die technischen Möglichkeiten und die globale Vernetzung im 21. Jahrhundert noch einmal eine ganz andere Dimension. Die Ausstellung „V für Verantwortung“, die am 21. November, um 19 Uhr eröffnet wird, zeigt daher künstlerische Positionen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen.

Die Auseinandersetzung mit der Definition und den ethischen Voraussetzungen von Verantwortung geht weit zurück, muss aber immer im historischen Kontext gesehen werden. So hatte die beginnende Ausbildung einer globalisierten, transnationalen Gesellschaft Max Weber bereits 1919 zu einer Differenzierung von „Gesinnungsethik“ und „Verantwortungsethik“ veranlasst. Gesinnungsethik basiertdarauf, eine Entscheidung abhängig von der Reinheit der dahinterliegenden Absicht und der Orientierung an einem äußeren Regelwerk zu treffen. Die Verantwortungsethik dagegen bezieht Folgen- und Nebenfolgeneffekte in die Beurteilung einer Entscheidung mit ein. Dies können intendierte Folgen, aber auch sogenannte Kollateralschäden sein, die durch die getroffene Entscheidung mit ausgelöst werden. In den immer komplexer werdenden Abläufen heutiger Systeme und Prozesse entstehen zum Teil mehr Nebenfolgen als intendierte Folgen.

Der Begriff der Verantwortung ist daher besonders in komplexen Netzwerken, wie sie durch die technischen Voraussetzungen digitaler Medien geschaffen wurden, zentral, wie auch die Wissenschaftlerin Danah Boyd betont. In solchen Netzwerken zerfällt die Verantwortung in eine undurchschaubare Anzahl von Knotenpunkten aus verschiedenen Akteur*innen, die unterschiedliche Technologien verwenden. Boyd sieht in diesem „Verstärkungsökosystem“ eine neue Form von Bürokratie. Jede*r fühlt sich nur als Teil des Systems und damit nicht persönlich und moralisch verpflichtet. Die Macht liegt scheinbar im System selber. Es kommt zu einer Verantwortungsdiffusion. Eine Besonderheit in dieser neuen Bürokratieform ist jedoch, dass die einzelnen „Verstärker“ sehr divers sein können: Ein*e Blogger*in oder ein*e Jugendliche*r kann aufgrund seines*ihres Wissens über Technologie und die Kommunikationsabläufe im Netz einen ebenso großen Einfluss erlangen wie ein Unternehmen oder ein*e Politiker*in.

Damit bedeutet die beschriebene Struktur auch, dass die Einzelperson, sich ihrer Rolle als Stellschraube innerhalb dieses Netzwerkes bewusst werden und den weiteren Verlauf beeinflussen kann. Dies kann eine ethische oder ökologische Verantwortung sein, die ein*e Entwickler*in übernimmt oder z. B. ein*e Whistleblower*in. Der Kunst kommt hierbei auch eine immer stärkere Bedeutung zu. Künstler*innen werden zu Aktivist*innen und wenden diverse technische Möglichkeiten an und eignen sich somit einen Teil der Verantwortung im Informations-Ökosystem wieder an. Die Ausstellung möchte sich dem Umgang mit ethischen Begriffen sowie der Darstellbarkeit unendlich vernetzter Strukturen und utopischen, spekulativen Szenarien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz annehmen.

Das Künstler*innenduo Banz & Bowinkel zeigt ein Video aus Schnipseln von Vorträgen beispielsweise der Singularity School im Silicon Valley. Sie handeln von exponentiellem Wachstum, wie dem Zeitpunkt an dem sich die künstlichen Intelligenzen so rasch selbst optimieren werden, dass sie den Menschen obsolet machen könnte. Die vier Arbeiten von Stefan Hurtig hinterfragen die Vereinnahmung von ethischen Begriffen wie Glück, Moral, Verantwortung oder Kreativität durch kapitalistische Mechanismen. Jan Neukirchen visualisiert Daten und macht damit die Struktur von Kommentaren auf bekannten Plattformen wie Reddit deutlich. Sie verdeutlichen wie ein Gesprächs-Hauptstrang teils völlig unvorhergesehene Nebenstränge „auslösen“ kann, was den Begriff der Verantwortung noch einmal anders thematisiert. Xin Xin/Sanglim Han/Jen Agosta zeigen filmisch Verbindungen zwischen der Struktur von Algorithmen einerseits und der Unterdrückung bestimmter Ethnien, Geschlechter etc. andererseits auf, Teil der Arbeit ist ein Interview mit Dr. Umoja Noble über die Manifestation rassistischer Klischees durch Suchmaschinen. Pinar Yoldas wagt mit einer Videoinstallation einen Blick in das Jahr 2039, in der eine Katze erklärt, welche Gründe und gesellschaftlichen Ereignisse dazu führten, dass sie als Künstliche Intelligenz die Herrschaft übernommen hat.