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arti 2020: Mit Energie

24/11/2017–04/02/2018

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Eröffnung und Preisverleihung: 18.06.2020, 19 Uhr (Livestream, www.kunstverein-wolfsburg.de)

Ausstellungsdauer: 19.06.-09.08.2020

Ort: Kunstverein Wolfsburg, Schloßstr.8, 38448 Wolfsburg

Künstler*innen: atelier für zukünfte, Anita Marijana Bajic, Axel Bosse, Luz Helena Marin Guzmán, Jörg Hennings, Eileen Lofink, Tarabea Guastavino San Martin, Anna Miethe, Hellen Niemann/Linus T. Schulz,Walter Winter

 

2020 wird der arti bereits zum 8. Mal vergeben. Der alle zwei Jahre vom Kunstverein Wolfsburg ausgeschriebene Wettbewerb richtet sich an Künstler*innen mit Wohnsitz und Lebensmittelpunkt in Wolfsburg. Er bietet den künstlerisch Schaffenden eine Plattform für lebendigen Austausch und dient der Förderung der lokalen Kunstszene. Wie bereits in den vergangenen Jahren orientiert sich die Ausschreibung thematisch am Jahresmotto des Kunstverein Wolfsburg, das in diesem Jahr „Alles eine Frage der Energie“ heißt. Für den arti 2020 lautet es daher: „Mit Energie“.

 

Aufgrund der Pandemie wurden erstmals die Möglichkeiten der Einreichung erweitert, um allen Teilnehmern maximale Sicherheit zu gewährleisten. Ob postalisch, online oder unter Einhaltung der Hygieneverordnungen vor Ort: Trotz Corona wurden von 35 Künstler*innen bis zu drei, meist extra für den Wettbewerb konzipierte Arbeiten eingereicht.

 

Am 19.05.2020 begutachtete die Jury aus regionalen und überregionalen Expert*innen die zahlreichen Einreichungen und bestimmte zehn Nominierte, deren Arbeiten in der Ausstellung und in der Publikation vertreten sein werden. Unter diesen befinden  sich auch die drei Preisträger*innen, die bei der Eröffnung am 18.06. mit einem Preisgeld  (1000 Euro für den ersten Patz, 500 Euro für den zweiten Platz, sowie 300 Euro für den dritten Platz) und einer Medaille ausgezeichnet werden. In diesem Jahr bestand die Jury aus Sina Heffner (Künstlerin), Justin Hoffmann (Leiter, Kunstverein Wolfsburg), Stine Hollmann (Geschäftsführerin, Kunstverein Wolfenbüttel), Nele Kaczmarek (Kuratorin, Kunstverein Braunschweig) und Noor Mertens (Leiterin, Kunstverein Langenhagen).

 

Die arti Preisverleihung und –Ausstellungseröffnung 2020 wird aufgrund der Krisensituation erstmals online stattfinden. Sie wird am 18. Juni, 19 bis 20 Uhr auf der Homepage des Kunstverein Wolfsburg per Livestream übertragen: Redner*innen und Künstler*innen werden anwesend sein. Es sprechen: Dennis Weilmann (Dezernent für Wirtschaft, Digitales und Kultur der Stadt Wolfsburg), Claudia Kayser (Leiter, Direktion Wolfsburg, Volksbank BraWo) und Rita Werneyer (Sprecherin Cultural Engagement, Volkswagen Communications). Traditionell wird zur Preisverleihung ein musikalisches Talent der Stadt Wolfsburg vorgestellt. In diesem Jahr ist es Johann Ehlers, ein junger Songwriter und Pianist, der die Veranstaltung musikalisch begleiten wird.

 

Mit freundlicher Unterstützung von Volkswagen, Volksbank BraWo und Stadt Wolfsburg

V für Verantwortung

24/11/2017–04/02/2018

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Künstler*innen: Giulia Bowinkel & Friedemann Banz, Stefan Hurtig, Jan Neukirchen, Xin Xin, Pinar Yoldas

Eröffnung: 21/11/19 um 19 Uhr

Kuratiert von: Jennifer Bork

Der Titel der Ausstellung lehnt sich an die bekannte Graphik-Novel V für Vendetta von Alan Moore und David Lloyd an, aus dem Anonymous die Verwendung der Guy Fawkes-Maske entlehnt hat. Die Frage nach der Verantwortlichkeit erscheint als eine der drängendsten in Bezug auf die Digitalisierung. Die Komplexität von Handlungsauswirkungen erreicht durch die technischen Möglichkeiten und die globale Vernetzung im 21. Jahrhundert noch einmal eine ganz andere Dimension. Die Ausstellung „V für Verantwortung“, die am 21. November, um 19 Uhr eröffnet wird, zeigt daher künstlerische Positionen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen.

Die Auseinandersetzung mit der Definition und den ethischen Voraussetzungen von Verantwortung geht weit zurück, muss aber immer im historischen Kontext gesehen werden. So hatte die beginnende Ausbildung einer globalisierten, transnationalen Gesellschaft Max Weber bereits 1919 zu einer Differenzierung von „Gesinnungsethik“ und „Verantwortungsethik“ veranlasst. Gesinnungsethik basiertdarauf, eine Entscheidung abhängig von der Reinheit der dahinterliegenden Absicht und der Orientierung an einem äußeren Regelwerk zu treffen. Die Verantwortungsethik dagegen bezieht Folgen- und Nebenfolgeneffekte in die Beurteilung einer Entscheidung mit ein. Dies können intendierte Folgen, aber auch sogenannte Kollateralschäden sein, die durch die getroffene Entscheidung mit ausgelöst werden. In den immer komplexer werdenden Abläufen heutiger Systeme und Prozesse entstehen zum Teil mehr Nebenfolgen als intendierte Folgen.

Der Begriff der Verantwortung ist daher besonders in komplexen Netzwerken, wie sie durch die technischen Voraussetzungen digitaler Medien geschaffen wurden, zentral, wie auch die Wissenschaftlerin Danah Boyd betont. In solchen Netzwerken zerfällt die Verantwortung in eine undurchschaubare Anzahl von Knotenpunkten aus verschiedenen Akteur*innen, die unterschiedliche Technologien verwenden. Boyd sieht in diesem „Verstärkungsökosystem“ eine neue Form von Bürokratie. Jede*r fühlt sich nur als Teil des Systems und damit nicht persönlich und moralisch verpflichtet. Die Macht liegt scheinbar im System selber. Es kommt zu einer Verantwortungsdiffusion. Eine Besonderheit in dieser neuen Bürokratieform ist jedoch, dass die einzelnen „Verstärker“ sehr divers sein können: Ein*e Blogger*in oder ein*e Jugendliche*r kann aufgrund seines*ihres Wissens über Technologie und die Kommunikationsabläufe im Netz einen ebenso großen Einfluss erlangen wie ein Unternehmen oder ein*e Politiker*in.

Damit bedeutet die beschriebene Struktur auch, dass die Einzelperson, sich ihrer Rolle als Stellschraube innerhalb dieses Netzwerkes bewusst werden und den weiteren Verlauf beeinflussen kann. Dies kann eine ethische oder ökologische Verantwortung sein, die ein*e Entwickler*in übernimmt oder z. B. ein*e Whistleblower*in. Der Kunst kommt hierbei auch eine immer stärkere Bedeutung zu. Künstler*innen werden zu Aktivist*innen und wenden diverse technische Möglichkeiten an und eignen sich somit einen Teil der Verantwortung im Informations-Ökosystem wieder an. Die Ausstellung möchte sich dem Umgang mit ethischen Begriffen sowie der Darstellbarkeit unendlich vernetzter Strukturen und utopischen, spekulativen Szenarien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz annehmen.

Das Künstler*innenduo Banz & Bowinkel zeigt ein Video aus Schnipseln von Vorträgen beispielsweise der Singularity School im Silicon Valley. Sie handeln von exponentiellem Wachstum, wie dem Zeitpunkt an dem sich die künstlichen Intelligenzen so rasch selbst optimieren werden, dass sie den Menschen obsolet machen könnte. Die vier Arbeiten von Stefan Hurtig hinterfragen die Vereinnahmung von ethischen Begriffen wie Glück, Moral, Verantwortung oder Kreativität durch kapitalistische Mechanismen. Jan Neukirchen visualisiert Daten und macht damit die Struktur von Kommentaren auf bekannten Plattformen wie Reddit deutlich. Sie verdeutlichen wie ein Gesprächs-Hauptstrang teils völlig unvorhergesehene Nebenstränge „auslösen“ kann, was den Begriff der Verantwortung noch einmal anders thematisiert. Xin Xin/Sanglim Han/Jen Agosta zeigen filmisch Verbindungen zwischen der Struktur von Algorithmen einerseits und der Unterdrückung bestimmter Ethnien, Geschlechter etc. andererseits auf, Teil der Arbeit ist ein Interview mit Dr. Umoja Noble über die Manifestation rassistischer Klischees durch Suchmaschinen. Pinar Yoldas wagt mit einer Videoinstallation einen Blick in das Jahr 2039, in der eine Katze erklärt, welche Gründe und gesellschaftlichen Ereignisse dazu führten, dass sie als Künstliche Intelligenz die Herrschaft übernommen hat.