Öffnungszeiten

Mi–Do 10–17
Fr 14–17
Sa 13–18h
So u. Feiertags 11–18h


Eintritt frei!

Arbeiten von Studierenden des Instituts für Architekturbezogene Kunst / TU Braunschweig

Noch ehe sich Günter Franzkowiak nach seiner Lehre als Werkzeugmacher im Volkswagenwerk seinen ersten Käfer kaufen konnte, erwarb er eine Spiegelreflexkamera und hielt damit immer wieder Momente aus seiner Umgebung fest, insbesondere aber jenen Ort, an dem er einen Großteil seiner Zeit verbrachte: seinen Arbeitsplatz. Ab Anfang der 1950er Jahre war er mit seiner Kamera aus eigenem Antrieb und ohne spezielles Konzept im Volkswagenwerk unterwegs und fotografierte seine Kollegen, sowohl aus dem Werkzeugbau als auch aus anderen Abteilungen. Er dokumentierte Arbeitsabläufe ebenso wie Maschinen und besondere Anlässe wie Pausenmomente. Die entstandenen Fotografien sind nicht nur als sozialhistorische Zeugnisse interessant, sondern verweisen auch auf ein besonderes Kapitel in der Geschichte der Fotografie.

Die sogenannte Arbeiterfotografie war in Deutschland besonders in den Jahren zwischen 1925 und 1935 populär, stagnierte jedoch während der Zeit des Nationalsozialismus. Ab den 1960er Jahren griffen wieder vermehrt Amateure zur Kamera und ermöglichten als Fotografen „aus den eigenen Reihen“ einen ganz besonderen Blick auf die Arbeitsvorgänge. Zu dieser zweiten Welle der Arbeiterfotografie zählen auch die Fotografien des Wolfsburgers Günter Franzkowiak, der immer noch in der Stadt lebt.

Von Eva Nick (Wolfsburger Nachrichten) während des Lebeck-Wettbewerbs entdeckt, reifte sogleich mit dem Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation die Idee zu einer Ausstellung. Mit dieser Idee trat das IZS an den Kunstverein Wolfsburg heran. Die gemeinsam erarbeitete Ausstellung präsentiert eine kleine Auswahl von 27 Fotografien Günter Franzkowiaks im „Raum für Freunde“ des Kunstverein Wolfsburg. Zur Eröffnung am 11. April um 19 Uhr wird der Fotograf, der nun schon viele Jahre Rentner ist, selbstverständlich anwesend sein und dann auch die eine oder andere Geschichte, die hinter den Bildern steht, preisgeben. An einem Sondertermin am 24. April um 19 Uhr widmen sich zudem der Historiker und Soziologe Dr. Peter Birke vom Institut für Soziologie in Göttingen, ausgewiesener Kenner für die Geschichte der Arbeitskämpfe, der Gewerkschaften und der historischen Arbeitssoziologie, im Gespräch mit den Kuratoren Dr. Justin Hoffmann (KV Wolfsburg) und Dr. Alexander Kraus (IZS) dem Thema „Arbeitsverhältnisse gestern und heute“. Begleitend zur Ausstellung erscheint die neue Ausgabe von „Das Archiv. Zeitung für Wolfsburger Stadtgeschichte“ als Themenheft und ist ganz den Fotografien Günter Franzkowiaks gewidmet.

Ralf Tekaats künstlerisches Medium ist die Zeichnung, dies können kleinformatige Bleistift- oder Farbstiftzeichnungen sein, ebenso wie große Wandinstallationen. Eine Besonderheit seines Schaffens sind Zeichnungen verschiedenster Techniken, die Eisberge zeigen. 2017 startete der Künstler eine Crowdfunding-Kampagne und sammelte so das Geld für eine Stipendien-Reise in die Polarregion Spitzbergen, einem der wenigen Orte auf der Erde, an dem man noch echte Eisberge vorfindet. Noch. Denn bedingt durch den Klima-Wandel schmilzt das arktische Eis zunehmend und die Erscheinung von Eisbergen wird in absehbarer Zeit nicht mehr Teil unserer Welt sein. Die Reise und die Zeichnungen werden in der Ausstellung thematisiert.

Ralf Tekaat hat sich auf verschiedenen Ebenen mit den Eisbergen auseinandergesetzt und auch diverse Texte verfasst, die unter anderem auf seinem Reiseblog zu finden waren: „Im Mai 2017 bin ich nach Spitzbergen gefahren um dort Eisberge zu zeichnen. In Spitzbergen mache ich mich auf die Jagd. Nach dem Eisberg, nach meinem Eisberg. Der Weiße Riese, der mich in meinen Träumen verfolgt. Ich zeichne. Ich trotze dem Sturm. Ich trotze der Kälte. Ich zeichne. Das Papier knattert im Sturm. Das Papier fliegt. Ich zeichne. Ich laufe. Ich verstecke mich vor Eisbären. Ich zeichne. Ich suche den perfekten Blick auf den tollsten Eisberg. Ich breite meine Papiere aus. Ich zeichne. Ich zeichne die Eiskristalle, analytisch. Meine Bleistifte sind gefroren. Sie splittern, sie knacken. Sie sind kalt. Mir nicht, denn ich zeichne. Das Aquarellwasser friert. Der Gletscher kalbt. Die Eisscholle taumelt. Ich zeichne. Die Eisscholle treibt mich an meinem Eisberg vorbei. Ich bin im Packeis. Ich zeichne.“

Ralf Tekaat studierte visuelle Kommunikation in Münster und anschließend Freie Kunst in Bremen bei Wolfgang Schmitz and Paco Knöller und war Meisterschüler bei Paco Knöller. Er erhielt verschiedene Preise und Stipendien und hatte diverse Einzel- und Gruppenausstellungen u . a. in Bonn, Berlin, Hannover, Bremen. Seit 2005 hatte regelmäßig verschiedene Lehraufträge an der Hochschule für Künste in Bremen. Er lebt in Berlin.

Die Ausstellung wird unterstützt vom Niedersäsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

In der Ausstellung „Bus Stop“ im Raum für Freunde im Kunstverein Wolfsburg zeigt die arti-Gewinnerin 2018 eine Reihe neuerer Arbeiten, die die Vielfältigkeit ihrer künstlerischen Ausdrucksweise demonstrieren. Übermalen und Collagieren sind dabei ihre bevorzugten bildnerischen Verfahren. Beiden Techniken ist die Existenz eines bereit vorhandenen Bildmaterials gemeinsam. Häufig handelt es sich dabei um gefundene Postkarten und Plakate.

Für die neue Werkgruppe „Bus Stop“, die ihrer Ausstellung den Namen gab, übermalte die Künstlerin Teile älterer Postkarten, so weit, bis jeweils ein Bus und wenige andere Bildelemente auf dunklem Grund isoliert sichtbar sind. Einzelne Partien werden in den Arbeiten von Rosi Marx hervorgehoben, andere nivelliert.

Die Verfahren des Übermalens und Collagierens sind durch den Prozess der Fragmentierung gekennzeichnet. Während bei der Übermalung durch das Überdecken Dinge aus dem Zusammenhang gerissen werden, sind in der Collage Bildelemente verschiedener Herkunft zu einer neuen Komposition zusammengefügt. Bei letzterem entstehen nicht selten skulpturale Arbeiten, etwa wenn sie diverse Tierfigurenteile zu Hybriden neu zusammensetzt. Bilder und Formen aus der Vergangenheit gewinnen durch die Bearbeitung von Rosi Marx stets eine neue, aktuelle Bedeutung.

Weisst du, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem, was du machst.
Und wenn’s so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle wo’s am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.

Absolute Giganten

Nicht nur der Titel von Joanna Schultes Ausstellung im Raum für Freunde beinhaltet eine Tautologie, die gesamte Soundinstallation, die sie im Kunstverein Wolfsburg installiert hat, ist auf das Motiv der Dopplung ausgerichtet. In Stereo Twice (dt.: zweimal Stereo) stehen sich zwei Musikmöbel aus den 1960er Jahren gegenüber. Auf den Plattentellern dreht sich „Give Me Your Love“, eine Hit-Single aus den 80er Jahren von Frank Duvall. Der musikalische Inhalt ist jedoch zweitrangig, denn Joanna Schulte hat die beiden Tonarme so manipuliert, dass immer wiederkehrend ein und dieselbe Stelle wiederholt wird. Es entsteht ein unbestimmter Beat, der durch die Verwendung von zwei Stereo-Klangquellen eine Raumwirkung erzeugt. Je nachdem wo sich der Besucher im Raum befindet, entsteht eine Klangverfärbung: So erscheinen die beiden Beats teilweise synchron, um sich im nächsten Moment zeitlich und räumlich voneinander zu entfernen und sich dann wiederzufinden.

Die Hannoveraner Künstlerin Joanna Schulte verwendet in ihren Arbeiten häufig Wiederholungen und Dopplungen in verschiedener Form. In dieser Klangarbeit verweist sie mit der Verwendung des Loops einerseits auf die Wiederholung als einem der elementarsten Bestandteile von Musik und gleichzeitig auf die Unmöglichkeit der vollkommenen Gleichheit des Wiederholten an sich.

Joanna Schulte wurde in Osnabrück geboren, studierte in Hannover und schloss 2001 als Meisterschülerin von Prof. Ulrich Eller ab. Sie hatte diverse Einzel- und Gruppenausstellungen im In-und Ausland und erhielt Stipendien (u. a. ein Jahresstipendium des Landes Niedersachsen, ein Aufenthaltstipendium der Künstlerhäuser in Worpswede etc.) und gewann zahlreiche Preise. Aktuell ist sie mit einer Arbeit in der Ausstellung zum Marler Medienkunstpreis vertreten.

Die Ausstellung wird gefördert vom Niedersächsischen ministerium für Wissenschaft und Kultur

Mit „Jaagobbigery wolt” zeigt der Kunstverein Wolfsburg im Raum für Freunde erstmals Arbeiten der beiden KünstlerInnen Mitra Wakil & Fabian Hesse in Wolfsburg. Der Titelvorschlag zur Ausstellung entstammt dem kreativen Algorithmus eines 3D-Programms – Hesse & Wakil sind einfach faul und lassen die Maschinen selber machen. Dennoch forschen sie damit aktiv im Zwischenbereichen von Kunst, experimentellem Umgang mit neuen Technologien und Strategien demokratischer Selbstermächtigung durch (techno-logische) Bildung.

In der Ausstellung werden Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine zum Thema, an denen sich insbesondere (post-)digitale Technologien gegenüber den NutzerInnen verschließen, anstatt die Wechselwirkung zwischen Menschen und Technologien erfahrbar zu machen.

Eine lebensgroße Figur aus Plastik steht im Raum, mehrere menschliche Körperfragmente sind darin verschoben, verdoppelt oder abgeschnitten, Teile einer zweiten oder gedoppelten Figur überlagern sich. Es ist „Dorothy”, der Zauberer von :-Oz hat sie verhext! Schichten, Fehler und Artefakte aus dem Herstellungsverfahren des 3D-Drucks sind erkennbar.

Der Raum wird bestrahlt mit Coded Light, einem strukturierten Lichtmuster. Die Art und Weise, wie sich diese Strahlen beim Auftreffen auf Oberflächen verformen, ermöglicht es Bildsystemen, die Tiefen- und Oberflächeninformationen der Objekte in der Szene zu berechnen. Die Muster sind also nicht fürs menschliche Auge gemacht, sondern für die maschinelle Wahrnehmung. Das flackernde Streiflicht verwandelt den Raum für Freunde in einen Schwellenraum, der den Übergang zwischen dem stofflichen und dem numerisch Definierten und damit rechnerisch Reproduzierbaren verkörpert. Er wird als Bühnensituation in Szene gesetzt.

Diesem Erfassungssystem nähern sich die KünstlerInnen mit kryptischen Fluxus-Scores, teils historischen teils neu erfundenen. Scores sind für Fluxus-Events verfasste Handlungsanweisungen aus denen sich performative Aktionen etc. entwickeln können. Mitra Wakil und Fabian Hesse suchen damit nach dem schöpferischen Potential der Technologien und gleichzeitig nach Momenten des Verbergens vor der digitalen Erfassung.

Der Kunstverein Wolfsburg stellt mit Martin Lucas Schulze eine junge Position aus, die mit ihrer destruktiven Kunst an eine Tradition anknüpft. Eine Tradition für die der Kunstverein Wolfsburg genau der richtige Ort ist. Denn sein Leiter Justin Hoffmann veröffentlichte seine Dissertation zum Thema „Destruktionskunst. Der Mythos der Zerstörung in der Kunst der frühen sechziger Jahre.“ Er sieht hier eine deutliche Parallele zur Arbeit von Martin Lucas Schulze: „Um 1960 erfanden Künstler Vorrichtungen, die so angelegt waren, dass sie Dinge zerstörten. Zu den Pionieren dieser Richtung zählen Jean Tinguely und Gustav Metzger. […] Beiden Künstlern der Auto-Destructive Art war es wichtig, dass der Mechanismus selbst die destruktive Gestaltung übernimmt und der Künstler ihn nur auslöst. Deshalb spielt hier trotz exakter Konstruktion und weitreichender Planungen das Unvorhersehbare eine wesentliche Rolle. Der Zufall formt gleichsam mit. Gerade dadurch erhält die Destruktion auch eine produktive Komponente. Die Idee vom Zyklus des Schöpferischen und Zerstörerischen wird aufgegriffen. In dieser Tradition steht Martin Lucas Schulze mit seiner Arbeit Paläo Echo. […]“

Im Raum für Freunde erwartet den Besucher zunächst eine glatte, geflieste Bodenfläche über der diverse Basaltsteine schweben. Durch einen vom Künstler entworfenen und gebauten Mechanismus fallen diese in einer schnellen Abfolge zu Boden und erzeugen somit ein ästhetisches Erlebnis zwischen einem Musikstück und einer – vom Prozess der Zerstörung – erzeugten Rauminstallation.

Die Uraufführung wird nur am Eröffnungsabend zu sehen und zu hören sein. Zur Sicherheit verteilen wir Schutzbrillen. Die Installation ist dann noch bis zum 8.4.2018 im Raum für Freunde zu sehen.

Wir bedanken uns herzlich für die Unterstützung bei Fliesen Dehm und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Sie waren die Stars der neuen Fotografie in der Weimarer Republik: Junge Frauen wie Aenne Biermann oder Else Neuländer-Simon, genannt Yva. Obwohl die Fotografie als Männerdomäne galt, fanden in den 1920er Jahren immer mehr Frauen Anerkennung im Bereich der Modefotografie oder durch Fotostrecken in den vielen neu entstandenen Magazinen. Der Magazin-Boom führte dazu, dass Anfang der 1930er Jahre diverse Ateliers von Fotografinnen geleitet wurden, darunter auch viele Jüdinnen. Doch mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten ging dieser wichtige Teil der Kulturgeschichte verloren. Die bekannte Fotografin und Lehrmeisterin von Helmut Newton, Yva, musste nach dem Inkrafttreten der Nürnberger Gesetze Mitte der 1930er Jahre ihre Atelierleitung an eine Freundin mit Arier-Nachweis übertragen. Sie wurde vermutlich 1942 im Konzentrationslager Sobibor ermordet.

Die kleine Ausstellung im Raum für Freunde zeigt die Fotostrecken in ihrem damaligen Publikationszusammenhang, der eine große Öffentlichkeit erreichte. Die begleitenden Texte sind voll von Lobeshymnen auf die neue Art zu fotografieren. Sie verdeutlichen den Stellenwert, den die Gesellschaft jüdischen Fotografinnen wie Aenne Biermann eingeräumt hat. Einer der Artikel endet mit dem begeisterten Ausspruch „Man wird noch viel von Aenne Biermann hören“. Der Satz, der Titel der Ausstellung ist, verbleibt aus heutiger Sicht als bitteres Echo. 1930 hatte Aenne Biermann noch eine größere Ausstellung im Kunstverein Gera. Nur drei Jahre später starb sie krankheitsbedingt. Ihre Familie wurde enteignet, ihr über 3.000 Negative umfassendes Archiv blieb verschollen. Ihr Beispiel zeigt mit welcher Schnelligkeit sich der gesellschaftliche Wandel in totalitären Regimen vollziehen kann und wie rasch Personen und ganze Entwicklungen aus der (Kultur)geschichte ausradiert werden können.

Wir danken für die Anregung zu dieser Ausstellung und für die Magazin-Sammlung ganz herzlich unserem Vorstandsmitglied Axel Bosse!

Regelmäßige Aufenthalte in Kairo seit Herbst 2014 gaben der Braunschweiger Künstlerin Inka Nowoitnick Anlass zu einer Spurensuche nach möglichen Überschneidungen, Vermischungen und Unterschieden zwischen der Ikonografie der christlich geprägten Welt und der Ornamentik der islamisch geprägten Kultur.

In ihrem Langzeitprojekt geht sie diesen Spuren künstlerisch nach. Den Raum für Freunde wird sie dabei mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Ornamentik und popkulturellen Verweisen bespielen, die das Gefühl des Schmelztiegels, welches die Künstlerin auch in Kairo erlebte, sehr gut verkörpern.