Öffnungszeiten

Mi–Do 10–17
Fr 14–17
Sa 13–18h
So u. Feiertags 11–18h


Eintritt frei!

In „Too much power (too little power)“ werden künstlerische Arbeiten gezeigt, die sich mit dem Streben nach Selbstoptimierung, nach mehr persönlicher Energie auseinandersetzen. Als konträres Phänomen wird auch die Situation des Ausgepowert-Seins miteinbezogen. Denn ein Zuviel-an-Energie kann als Folge auch das Gegenteil nach sich ziehen.

Auch die Kunstwelt sollte sich verstärkt Gedanken über die sinnvolle Verwendung von Energie machen. Regenerative Energien und Energiesparen sollen zukünftig auch in der Ausstellungspraxis miteinbezogen werden. Die Ausstellung „Erneuerbare Medien“ des Kunstverein Wolfsburg greift diese Überlegungen als Thema für eine Gruppenausstellung auf und lädt dazu unter anderem Emanuel Mooner ein, der im Sommer 2019 in München die erste Solar-Akku betriebene Kunstausstellung präsentierte.

Künstler*innen: atelier für zukünfte, Anita Marijana Bajic, Axel Bosse, Luz Helena Marin Guzmán, Jörg Hennings, Eileen Lofink, Tarabea Guastavino San Martín, Anna Miethe, Hellen Niemann/Linus T. Schulz, Walter Winter

Es ist wieder Zeit für den arti! Der Wettbewerb des Kunstverein Wolfsburg wurde bereits zum 8.Mal ausgeschrieben und richtet sich an Künstler*innen mit Wohnsitz und Lebensmittelpunkt in Wolfsburg. Er bietet den künstlerisch Schaffenden eine Plattform für lebendigen Austausch und dient der Förderung der lokalen Kunstszene. Wie bereits in den vergangenen Jahren orientiert sich die Ausschreibung thematisch am Jahresmotto des Kunstverein Wolfsburg, das in diesem Jahr „Alles eine Frage der Energie“ heißt. Für den arti 2020 lautet es daher: „Mit Energie“.

Die Jury, in diesem Jahr bestehend aus Sina Heffner (Künstlerin), Justin Hoffmann (Leiter, Kunstverein Wolfsburg), Stine Hollmann (Geschäftsführerin, Kunstverein Wolfenbüttel), Nele Kaczmarek (Kuratorin, Kunstverein Braunschweig) und Noor Mertens (Leiterin, Kunstverein Langenhagen) sichtete die zahlreichen Einreichungen und bestimmte die zehn Nominierten, deren Arbeiten in der Ausstellung und im begleitend erscheinenden Katalog vertreten sind.

Am 18.06.2020 wurden die Preisträger*innen im Rahmen einer feierlichen Eröffnung mit einem Preisgeld (1000 Euro für den ersten Patz, 500 Euro für den zweiten Platz, sowie 300 Euro für den dritten Platz) und einer Medaille ausgezeichnet.

Erste Siegerin wurde die Künstlerin Luz Helena Marín Guzmán, der zweite Preis ging an Eileen Lofink, den dritten Platz machte Anna Miethe. Als musikalisches Highlight begleitete Johann Ehlers die Veranstaltung mit Gesang und Piano.

Pandemiebedingt fand die Preisverleihung nur in Anwesenheit der Künstler*innen und Redner*innen statt und wurde als Livestream übertragen. Das Video ist weiterhin auf unseren Kanälen auf Facebook und Youtube zum Anschauen verfügbar.

 

 

Die in Berlin lebende Künstlerin Folke Köbberling sticht unter den Künstler*innen, die sich mit Nachhaltigkeit, Urbanismus und Ökologie beschäftigen, durch ihre Konsequenz und ihr Einfallsreichtum besonders heraus. Zu vielen Gruppenausstellungen dieser Themenbereiche wurde sie eingeladen, nicht zuletzt zur weltweit gezeigten Ausstellung „zur nachahmung empfohlen! expeditionen in ästhetik und nachhaltigkeit“ (Berlin, Peking, Lima etc.). Auch an zwei Gruppenausstellungen des Kunstverein Wolfsburg war sie in der Vergangenheit beteiligt: Flexibilität (2004) und Industriestadtfuturismus (2005/6). Inzwischen ist sie in der Nähe von Wolfsburg tätig und lehrt viel beachtet als Professorin für architekturbezogene Kunst an der TU Braunschweig – noch ein Grund, eine Einzelausstellung von Folke Köbberling im Kunstverein Wolfsburg zu präsentieren.

Der Titel der Ausstellung ist eine Aufforderung, sich des eigenen Lebensstils bewusst zu machen und ihn den gegenwärtigen globalen Bedingungen anzupassen. Er bezieht sich auf George Bush, der 1992 in einer Rede behauptete: “The American way of life is not negotiable”. Nationalstaatliches Denken vs. globaler ökologischer Herausforderungen ist eine Konfrontation von hoher Aktualität, gerade wenn man an den brennenden Regenwald denkt. Hier ist ein Umdenken, eine Flexibilität im Lebensstil gefragt, die vielen nicht leicht fällt.

In ihrer Ausstellung im Kunstverein Wolfsburg zeigt Folke Köbberling anhand ihrer künstlerischen Arbeiten verschiedene Möglichkeiten auf, mit Energie umzugehen. Ihre direkte Herangehensweise wirkt erstmal überspitzt, grotesk und irritierend, ist aber in einer Zeit der drohenden Klimakrise essentiell und wichtig. Dabei arbeitet sie immer auch ortsspezifisch und nützt den Ausstellungsraum zu besonderen Interventionen.

Bei der Gruppe Chicks On Speed beruht das Interesse, Pop Star zu werden, nicht auf dem Einfall eines Medienkonzerns sondern auf einer künstlerischen Strategie. Ihr Plan scheint aufgegangen zu sein. Mit dem Stück „Kaltes Klares Wasser“ stürmten sie 2001 die Hitparaden, waren monatelang an der Spitze der deutschen Dance Charts und traten in der Sendung „Top of the Pops“ auf. Ihre Ursprünge aber liegen in der Akademie der Bildenden Künste in München, an der zwei von ihnen, Alex Murray-Leslie aus Australien und Melissa Logan aus den USA, studierten. Zusammen mit Kiki Moorse führten sie unter dem die bayerische Kultur persiflierenden Namen „Seppi Bar“ viel beachtete Kunst-Events durch. Ab 1997 verzichteten sie immer mehr auf die individuelle Künstlerkarriere zugunsten der kollektiven Produktion zu dritt. Zunächst war Chicks On Speed ein Kunst-Fake-Produkt, d.h. sie stellten Merchandise-Artikel und Videos wie eine Girls Group aber noch keine Musik her. Das änderte sich 1998. Sie entwickelten ihre Kenntnisse in der Herstellung elektronischer Musik weiter und sangen Pop-Songs nach. Mit Hilfe von DJ Hell als Produzent entstand die erste Single „Warm Leatherette“ von Daniel Miller, zuvor bekannt vor allem in der Version von Grace Jones.

An der visuellen Gestaltung der Tonträger waren Chicks On Speed stets besonders interessiert. Schon auf dem Cover ihrer ersten Single ist ihr spezieller Collage-Stil, der Körperausschnitte in rauher Manier aneinander setzt, zu erkennen. Seitdem entwickelten sie ihre künstlerische Produktion ständig weiter. Besonders auf die Herstellung extravaganter Kleidungsstücke, die sie teilweise für Auftritte und Foto-Shootings verwendeten, legten sie großen Wert. Zum vielfältigen künstlerischen Repertoire von Chicks On Speed gehören heute Videos, Zeichnungen, Collagen, Skulpturen, Textilarbeiten, Aktionen und Installationen.

Die “Gartenkartierung Wolfsburg” ist ein Projekt der Galerie für Landschaftskunst – ein von Künstlern selbst organisierter Ausstellungsraum in Hamburg.
Ihr vorrangiges Interesse besteht darin, mit künstlerisch-konzeptuellen Mitteln eine Reflexion über Natur, insbesondere in städtischen Gebieten, zu fördern und nach neuen Wegen der künstlerischen Repräsentation von Landschaft und Gärten zu suchen. In ihrem aktuellen Projekt wird Wolfsburg parallel zur Landesgartenschau 2004 als exemplarische Stadt hinsichtlich ihrer Gärten kartiert und interpretiert. Angestrebt ist eine flächendeckende Kartierung aller Erscheinungsformen von Gärten und Gartentypen. Im Mai 2004 wurde die Stadt Wolfsburg von den Künstlern Ralf Weißleder, Barbara Uppenkamp und Till Krause systematisch nach Gärten analysiert. Ab dem 28. Mai 2004 ist im Kunstverein ein Fotoarchiv bzw. eine Plankammer (mit Skizzen, Fotos, Überlegungen, Aufzeichnungen zur Recherche, Karten, Entwürfen zu neuen Karten etc.) aufgebaut. Das Archiv wird in einem Teil des anlässlich der Ausstellung „Flexibilität“ umgebauten Ausstellungsraums präsentiert. Aus den Ergebnissen ihrer Recherche wird im Juni 2004 ein Gartenplan der Stadt Wolfsburg gedruckt, welcher am 1.Juli um 19 Uhr mit Vortrag und Podiumsdiskussion im Kunstverein Wolfsburg vorgestellt wird.

Flexibilität ist das Zauberwort der ökonomischen Umstrukturierung. Es gehört zum Wortschatz der Bundesregierung genauso wie von Unternehmern. Auf Flexibilität pochen aber auch jene, die sich für längere Öffnungszeiten einsetzen oder gegen monotone Arbeitsprozesse wenden. Jedenfalls hat dieser Begriff derzeit Konjunktur. Er wird sowohl von privatwirtschaftlicher als auch von staatlicher Seite als Zielvorgabe für Veränderungen betrachtet. Nicht zuletzt werden flexible Strukturen angestrebt, wenn es um die Formierung eines zeitgemäßen transnationalen, politischen Widerstands geht. Mehr Flexibilität wird also von „oben“ und von „unten“ gefordert. Deswegen ist genau zu differenzieren, woher und aus welchen Interessen heraus der Wunsch nach größerer Flexibilität kommt. Die Ausstellung „Flexibilität“ möchte einen Beitrag dazu leisten, das Postulat von und das Begehren nach mehr Flexibilität differenzierter zu betrachten. Sie untersucht insbesondere die ästhetische Seite und kulturelle Bedeutung von Flexibilisierungsmaßnahmen.

Sowohl auf der Ebene lokaler Betriebe als auch multinationaler Unternehmensgruppen hat sich das Netzwerk als die flexibelste und damit effizienteste Organisationsform durchgesetzt. Aber nicht nur die Wirtschaft, sondern unser gesamtes gesellschaftliches Leben und unsere Kommunikation wird durch Netzwerke zunehmend geprägt. Durch die Knoten dieser Netzwerke strömen Güter, Menschen, Kapital und Technologien. Die Netzwerkgesellschaft hat zu einer Transformation der Arbeit geführt. Der amerikanische Soziologe Manuel Castells spricht in diesem Zusammenhang von „Flexi-Workers“. Flexibilität am Arbeitsplatz setzt nicht zuletzt den Abbau hierarchischer Strukturen voraus. Denn nur in Strukturen mit geringer vertikaler Organisation ist der Tausch von Verantwortungsbereichen und die Variabilität von Arbeitsverhältnissen möglich. Welche Folgen dieses Patchwork an kompilierten Arbeitskompetenzen für das Patch Life des mobilen Arbeitnehmers mit flexiblen Beziehungsverhältnissen haben wird, ist noch nicht abzusehen.

Jenseits aktueller politischer und ökonomischer Tendenzen ist Flexibilität aber auch ein Begriff, der schon seit Jahrzehnten in Zusammenhang mit künstlerischen Vorhaben gebraucht wird. Das sogenannte „offene Kunstwerk“ (Umberto Eco), Interaktivität, bewegliche Skulptur, partizipatorische und mobile Architektur sind Richtungen, in denen der Aspekt der Flexibilität eine zentrale Rolle spielt. Schon seit Jahrzehnten sind Künstler sowohl an der Adaptionsfähigkeit an jeweilige Orte als auch der Beteiligung des Rezipienten (bzw. des Bewohners im Städtebau) interessiert. Die Flexibilität ihrer Produkte soll diesen Anforderungen genügen.

Diese Ausstellung im Kunstverein Wolfsburg ist beides: einerseits eine Retrospektive von Werken JeanUlrick Déserts der letzten fünf Jahre, andererseits zeigt sie ganz neue, ortspezifische Arbeiten des in Haiti geborenen, US-amerikanischen Künstlers. Es ist seine erste große Einzelausstellung in Deutschland.

Das Phänomen der Globalisierung kann auf zwei gänzlich verschiedene Arten interpretiert werden, als ein Prozess der Integration, in der sich ethnische und nationale Differenzen allmählich auflösen, oder als ein Vorgang, der Konflikte schürt und zu kulturellen Auseinandersetzungen führen wird. Beide Betrachtungsweisen spielen für die Arbeit von JeanUlrick Désert eine zentrale Rolle. Einerseits weist er auf vorhandene Probleme der Cultural Clashs hin und führt sie uns in künstlerischen Arbeiten wie „Negerhosen 2000“ pointiert vor Augen, andererseits verknüpft er Objekte aus verschiedenen Kulturkreisen und stellt zwischen ihnen unerwartete Zusammenhänge her. Désert zieht in seiner vielseitigen künstlerischen Praxis – in großformatigen Foto-Tableaux genauso wie in Videoinstallationen und Objektarbeiten – verblüffende Verbindungslinien zwischen dem Kultur-Mix der Karibik und der Hoch- und Volkskultur des Westens.

JeanUlrick Désert ist sowohl Akteur als auch Beobachter der globalen Kultur. Aus seinem Heimatland Haiti migrierte er nach New York, dem Zentrum der amerikanischen Art World, und zog weiter nach Paris und Berlin. Desert war sich stets der hybriden Situation, in der er lebte und wo sich verschiedene Ethnien und Sprachen stets überschnitten, bewusst. Das Nomadisieren zwischen Ländern und Kontinenten muss aber nicht unbedingt als Manko betrachtet werden, solange dies freiwillig geschieht. Für viele Kulturtheoretiker verkörpert der Migrant sogar par excellence die Werte und Praxis des Kosmopoliten, seine Weltoffenheit und sein vielfältiges, kulturelles Wissen. Für eine Serie von Bierdeckeln innerhalb seiner Werkgruppe “Negerhosen 2000” verwendet Désert explizit den Begriff des Kosmopoliten. Im gewissen Sinn repräsentiert dieser Künstler tatsächlich jenes moderne, gebildete, multikulturelle, postkoloniale, zukunftsorientierte Subjekt, das mehr den aktuellen ökonomischen und kulturellen Bedingungen entspricht, als Menschen, die in ihren Grenzen verharren und auf ihre kulturelle Vergangenheit pochen. Für die Ausstellung in Wolfsburg entsteht in Kooperation mit der Privatbrauerei Wittingen eine neue Serie von Bierdeckeln mit einem Zitat von Walter Benjamin.

In Fragen der kulturellen Identität spielt die Beschäftigung mit Geschichte, der Bezug auf die Vergangenheit, stets eine zentrale Rolle. Dieser Zusammenhang bildet den Ausgangspunkt des speziell für Wolfsburg konzipierten „Erinnerungsprojekt“, für das Désert Orte bzw. Architekturen auswählte, an denen die jüngere Geschichte in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur gut ablesbar ist (historische Vorgänge prägnant zu formulieren gelang ihm bereits in den Arbeiten „Suicidal Mediations Of My Own Death“ und „Surrender: La Main. Un Projet pour la Belgique“). Der Palast der Republik, das Kraftwerk von VW und das World Trade Center stellten für ihn dementsprechend Monumente der Zeitgeschichte dar. Die Erinnerungen, die mit diesen Gebäuden verbunden werden, sind noch in der Gegenwart relevant, weil sie die Identität der Menschen, die an diesen Orten lebten bzw. arbeiteten, mitkonstituierten. JeanUlrick Désert verbindet Aufnahmen dieser Orte mit Texten von Personen, die sich an das Leben in diesen Gebäuden erinnern, und die der Künstler origineller Weise in Form von Inschriften auf Lebkuchenherzen veröffentlicht. Er nutzt diese in unserer Region verbreitete populare Praxis, die er bereits für „Voices from the Heart: Lebkuchen Project“(2002/3) verwendete, als Methode, affektive Äußerungen sichtbar zu machen, in einer scheinbar gegenläufigen Weise. Denn hier handelt es sich nicht um stereotype Sprüche, die sich Besucher von Volksfesten aneignen können, sondern um höchst individuelle Aussagen einzelner Personen.

Comics sind ein wesentlicher Bestandteil der Alltagskultur. So ist es wenig erstaunlich, dass sich auch Künstler unter den Fans der Comic-Kultur befinden. Spätestens seit der Pop Art hat sich dieses Interesse an Comics auch in bildnerischen Arbeiten manifestiert. Mit der Referenz an Comic-Geschichten und -Figuren ist stets ein Abwenden von der Hochkultur verbunden. Ihre Anregungen holen sich diese Künstler mehr „von der Straße“ als aus der Tradition der bildenden Kunst.

Gegenstand der von Comics beeinflussten künstlerischen Arbeiten ist häufig die Auseinandersetzung mit persönlichen Erlebnissen, mit der eigenen Identität. Um diese real geschehenen Begebenheiten oder tatsächlich erlebten Phantasien wiederzugeben, bedienen sich diese Künstler keiner naturalistischen Darstellungsform, sondern der tradierten Text-Bild-Sprache der Comic Strips. Sie liefert ein Schema, das diesen Narrationen Leichtigkeit und Humor verleiht.

Die Ausstellung „Strips & Characters“ zeigt Arbeiten von 16 Künstlern, die in den letzten Jahren oder speziell für dieses Projekt entstanden sind. In ihr sind neben Zeichnungen und Gemälden auch Videos, skulpturale Arbeiten und ein großes Wandgemälde zu sehen.

Zur Ausstellung wird ein Katalog in Form eines Comicheftes veröffentlicht. Begleitend wird eine Filmreihe stattfinden und in Zusammenarbeit mit dem Rockbüro der Stadt Wolfsburg im Anschluss an die Vernissage ein Konzert mit Jim Avignon aka Neoangin, X and the Living End (Electronicat/ Queen Of Japan), Fehmi Baumbach und Angie Reed.

Die erste Einzelausstellung des Berliner Künstlers Ulf Aminde, Meisterschüler der UDK Berlin (2004) versammelt Arbeiten aus dem Zyklus „the survival of the fittest“, die zwischen 2003 und 2005 enstanden sind. Punker, Trinker und Obdachlose, Menschen, die auf der Strasse leben und ihr soziales Leben dort verbringen bzw. dort arbeiten, sind die Protagonisten dieser teilweise raumgreifenden Video- und Soundinstallationen. Die gesuchten und inszenierten Situationen hinterfragen soziale Zustände und wie diese wahrgenommen werden.

So beschreibt die Arbeit „Weiter“ (2002) in der Punks auf ihre Weise „Reise nach Jerusalem“ spielen, auf humorvolle Weise spezifisches soziales Verhalten und wirft Fragen der Gruppenbildung, des Zugehörigkeitsgefühls und der gesellschaftlichen Zuordnung auf. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Zugehörigkeit als Künstler.

Für die Soundinstallation „Ohne festen Wohnsitz“ (2004) besuchte Ulf Aminde mit drei Obdachlosen die MOMA-Ausstellung in Berlin. In dem 30-minütigen Gespräch wird man Zeuge einer anrührenden Unterhaltung über einige der berühmtesten Kunstwerke der Welt, die aber vor allem Ausschlussverfahren im Kunstbetrieb und etablierte Muster der Kunstbetrachtung verdeutlicht.

Der Arbeits- und gleichzeitige Ausstellungstitel kommentiert nicht nur das selektive Verhalten unserer Gesellschaft sondern beschreibt den Überlebenswillen und die Überlebensstrategien marginalisierter Gruppen und Personen im bestehenden System. Beispielhaft dafür die Videoinstallation „Täter und Opfer“ (2004), entstanden aus einer einjährigen Dokumentation einer Gruppe von Ostberliner Trinkern.

In seiner neuesten Arbeit „Das Leben ist kein Wunschkonzert“ (2004/2005) bringt Ulf Aminde 25 als Ich-AG arbeitende Straßenmusiker innerhalb einer Video- und Soundinstallation zusammen und lässt sie ein gemeinsames ohrenbetäubendes Konzert spielen.
Allen Arbeiten gemein ist sein Interesse am Darstellen dieser anderen Lebens- und Arbeitssituationen nicht als bemitleidenswerte, die zu verändern und dem System anzupassen sind sondern als alternative, deren Eigenarten und Besonderheiten es wahrzunehmen gilt.