Öffnungszeiten

Mi–Do 10–17
Fr 14–17
Sa 13–18h
So u. Feiertags 11–18h


Eintritt frei!

Marko Schiefelbein, Retail Therapy, 2015, Videoinstallation
Blick in die Ausstellung

Verführen

26/02–08/05/2016

Künstler*innen

  • ACAD&C
  • Carlin Brown
  • Allen Jones
  • Mel Ramos
  • Marko Schiefelbein
  • Tom Wesselmann

Kuratiert von Justin Hoffmann

Trotz aller lustvollen Momente ist Verführen eine Form der Machtausübung und Herrschaft. Ein Mensch wird dazu gebracht, Handlungen durchzuführen, die er normalerweise nicht unbedingt tun würde: man schließt sich einer religiösen Gemeinschaft an, man kauft etwas usw.. Der Begriff der Verführung wird häufig im sexuellen Kontext verwendet. Klischeemäßig verführt die Frau den Mann. In diesem Kontext spricht man seit alters her von der Verführungskunst. Schon das Kamasutra enthält Anweisungen zur Verführung beiderlei Geschlechts.

Die Einstellung zur Verführung trennt insbesondere die westliche von der islamischen Welt. Der Philosoph und Psychologe Slavoj Zizek beschäftigt sich mit diesem Problem in seinem Buch „Blasphemische Gedanken. Islam und Moderne“. Für ihn gibt es hier signifikante spiegelverkehrte Konnotationen der Begriffe Verführung und Vergewaltigung. In der islamischen Welt wird alles getan, um Verführung zu verhindern, während Vergewaltigung in bestimmten Zusammenhängen legitimiert wird. Während im Westen die Vergewaltigung der Frau nicht nur juristisch verfolgt wird, sondern als Verletzung des Rechts auf Unversehrtheit der Persönlichkeit und als ein schlimmes Gewaltverbrechen gilt, ist im Gegenteil dazu die Verführung ein Spiel, das gutgeheißen wird, ja, das man sogar aktiv mitspielt. Auf der Verführung fundiert nicht zuletzt auch der westliche Kapitalismus überhaupt. Sie bildet die Grundlage unserer globalen Wirtschaft.

Auch bildende Künstler sehen einen Zusammenhang zwischen sexueller Darstellung und Konsum. In früheren Jahren waren es Pop Art-Künstler, die auf provokante Weise den Sexismus der Werbung überspitzten (Allen Jones, Tom Wesselmann, Mel Ramos). In der sexualisierten Kultur von heute gibt es kaum ein Angebot zu kaufen oder teilzunehmen, ohne dass es mit sexuellen Konnotationen angepriesen wird. Pornografie ist inzwischen Alltagskultur. Selbst Städte werben damit, sexy zu sein. Auch im Feld der bildenden Kunst erhöhen Schönheit und ein sexy Look die Karrierechance. Sie sind wichtige Faktoren des Erfolgs.