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Eintritt frei!

Ausstellungseröffnung

Next Level

Die Lust am Spiel in der Netzwerkgesellschaft

25/11/2006–18/02/2007

Künstler*innen

  • Natalie Bookchin
  • Moritz Mattern / Joulia Strauss
  • Olaf Val
  • Lynne Marsh
  • Giselind von Wurmb
  • Felix Stephan Huber
  • Sebastian Grätz
  • Tamiko Thiel
  • Antonio Riello

Kuratiert von Justin Hoffmann

Das Spielerische in der Kunst hat eine lange Tradition. Für den Kulturtheoretiker Johan Huizinga besteht der Ursprung der Kultur im Spiel. Er spricht in diesem Zusammenhang vom „Homo Ludens“. Doch erst seit den 60er Jahren wurde das Spiel von der avantgardistischen Kunstpraxis wieder verstärkt aufgegriffen. Mit dem Interesse an der Partizipation des Rezipienten und dem Aufruf zu dessen Teilnahme entstanden in jener Zeit künstlerische Ausdrucksformen wie Happening, Aktion oder im Fluxus-Kontext sogenannte Event-Cards, die explizit Spielcharakter besitzen. Hinzukommt das Phänomen, das Künstler bis in der Gegenwart selbst Spiele oder Werke mit deutlicher Referenz zu Spielen produzieren. Dass das Spiel häufig ernster sein kann als das „richtige Leben“, macht uns Robert Pfaller in seinem Buch „Illusion der Anderen“ deutlich. Er zeigt auf, dass wir in Spielsituationen mitunter Emotionen vehementer nach Außen tragen als im normalen Alltagsleben, in dem wir uns in der Regel stärker kontrollieren. Das Wissen, dass es sich beim Spiel um eine Fiktion handelt, hat auf uns eine befreiende Wirkung.

Gerade interaktive künstlerische Arbeiten, zu denen auch zahlreiche Beispiele der computergestützten Kunst zählen, werden häufig mit dem Spiel in Verbindung gebracht. Die Möglichkeit des variablen Agierens gehört zu den Standards zahlreicher Werke digitaler Kunst. Die Nähe zum Spiel ist hier evident. Der Computer wird als Maschine begriffen, mit der sich spielen lässt. Schon 1993 zeigten Rötzer/Hartwanger/Iglhaut im Projekt „Künstliche Spiele“ diese Zusammenhänge auf und interpretierten die Entwicklung zum „ludischen Zeitalter“ als positiv. Sie beobachteten eine Verschiebung der Trennlinie nicht nur zwischen Kunst und Spiel sondern zwischen Kunst und Unterhaltung allgemein. Dabei gehen die meisten aktuellen Beispiele von Art Games, wie die Ausstellung Next Level. Die Lust am Spiel in der Netzwerkgesellschaft zeigen will, weit über die Entertainment-Intention der Populärkultur hinaus.

Der Begriff „Netzwerkgesellschaft“ im Untertitel der Ausstellung bezieht sich auf den amerikanischen Soziologen Manuel Castells, der den ersten Band seiner Triologie zum Informationszeitalter so tituliert. Basierend auf zahlreichen emprischen Studien erörtert er darin einen Transformationsprozess, der sich als ein Durchdringen von Netzwerken auf verschiedenen sozialen Ebenen beschreibt lässt. Das Spektrum reicht hier von der zunehmenden Vernetzung des Einzelnen mit Hilfe des Internets bis zu den großen Konzernen, der Organisationen auf multinationalen Produktionsnetzwerken beruhen. Diese Entwicklung lässt sich auch im Bereich der Computerspiele verfolgen. Die Zahl der Online-Gamer hat in den letzten Jahren stark zugenommen.

Gerade das Verhältnis von Mensch und Maschine findet im Privatbereich in Computer- und Internetspielen seinen markantesten Ausdruck. Die Finger der Spieler erscheinen mit den Tasten der Konsolen als geradezu verwachsen. Instrumente dieser Art verbinden sie mit virtuellen Welten, in denen sie durch Training und Geschick von Level zu Level aufsteigen können. Zahlreiche künstlerische Arbeiten verweisen auf die Bedeutung von Computerspielen in unserer Freizeitkultur, vor allem für Kinder und Jugendliche. Sie greifen ihre Plots auf, verwenden ihre Ästhetik und bedienen sich ihrer Konsolen. Inhaltlich unterscheiden sich die Kunstwerke jedoch wesentlich von ihren kommerziellen Vorbildern. Denn die Künstler reflektieren in ihren digitalen Games aktuelle politische Tendenzen oder kommentieren gegenwärtige technologisch-ökonomische Entwicklungen. Die Ausstellung Next Level beschränkt sich aber nicht nur auf Computerarbeiten, sondern schließt auch 2-dimensionale Arbeiten, skulpturale Werke und Videos mit ein.

Die Ausstellung Next Level ist Teil des Science & Art Festivals Phaenomenale.