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Eintritt frei!

Marek Benczewski

was tun?

22/02–01/04/2013

Die kleine, verspielte Installation „was tun?“ ist der Beitrag von Marek Benczewski zum Jahresthema 2013 des Kunstverein Wolfsburg „Upgrade Demokratie“. Die These des Künstlers: Unser demokratisches System braucht nicht verbessert zu werden. Stattdessen müssen wir unser Wirken darin verbessern.

Die Wege, einem gesellschaftlichen Begehren den gehörigen politischen Nachdruck zu verleihen, beschrieb Lenin in seinen Werken „Womit beginnen?“ (1901) und „Was tun?“ (1902), auf letzteres bezieht sich der Titel der Installation. Es ist klar, dass es eine ganz andere Zeit war in der Lenin seine Thesen formulierte. Zwei von ihnen erscheinen Marek Benczewski dennoch besonders wichtig und aktuell: Die Überwindung des „Lokalismus“ und eine zeitresistente, ergebnisorientierte Überzeugungsarbeit, die den heute eher negativ belegten Namen „Agitation“ trug.

Im gedämpften Licht von flackernden LED-Kerzen tritt eine Art von Hausaltar zum Vorschein. Das zentrale Element dieses Hausaltars ist eine vergrößerte Zeichnung, die ein junges, ernst blickendes Paar darstellt. Der Hintergrund der Zeichnung besteht aus dem Symbol des Verbindungs-Status, – es liegt nahe, dass hier eine neue Generation von „Agitatoren“ bildlich kreiert wurde.
Der kleine Küchentisch darunter, das alte Hand-Vervielfältigungsgerät, die Stapeln von „frisch handgedruckten“ Handzetteln darauf, lassen an eine illegale Druckerei im Untergrund denken. Die Handzettel sind für das Publikum bestimmt, sie können nach Hause genommen werden. Darauf erläutert ein kurzer Text des Künstlers: Die Möglichkeiten der Vernetzung im Internet müssen von Demokratie-User für Ihre Begehren effektiver benutzt werden.

Die Installation beschwört scherzhaft, aber hoffnungsvoll eine neue Art von leidenschaftlichen, zielstrebigen Demokratie-Lobbyisten, eher Mediatoren, Internet-Experten und Organisatoren als Agitatoren.
Zum Teil ist sie als eine Widmung zu verstehen, die den flammende Reden schmeißenden, kleinen und großen Agitatoren der vergangenen Zeiten eine stimmungsvolle Schweigeminute schenkt.

Agitation braucht Aufmerksamkeit– zur Eröffnung gibt es sogar Prosecco in Dosen in entsprechendem Design.

 

Marek Benczewski ist 1953 in Bytom in Polen geboren. In diesem Jahr starb Stalin und ein bescheidenes Tauwetter setzte ein. Nichtsdestoweniger – in allen den Jahren davor und danach war jedem unabhängig denkenden Menschen der geistige Abschied vom so genannten „Sozialismus“ vorprogrammiert. 1980 floh Benczewski nach Deutschland. Seitdem entwickelt er in Hannover, Wolfsburg und Berlin seinen künstlerischen Ausdruck, wobei der feine Strich seiner Zeichnungen durch sein Ingenieurstudium in Gliwice geprägt sein dürfte. Er spielt ansonsten gern mit der Ikonographie des Systems, in dem er fast 27 Jahre verbrachte, und das zu keiner Zeit geschafft hat, sich mittels der Propaganda-Kunst glaubwürdiger zu machen.