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Sa 13–18h
So u. Feiertags 11–18h


Eintritt frei!

Mach es einfach

31/08–04/11/2018

Künstler*innen

  • Sara-Lena Maierhofer
  • Julian Öffler
  • Stefan Panhans
  • Christine Schulz
  • Lotte Lindner
  • Till Steinbrenner

Kuratiert von Jennifer Bork

Die Ausstellung findet im Kontext des Jahresprogramms 2018 statt. In ihm widmet sich der Kunstverein Wolfsburg unter dem Titel „Simplify your Style“ dem Themenkomplex von Einfachheit und Minimalismus. „Mach es einfach“ wirft einen kritischen Blick auf gesellschaftliche Prozesse von Vereinfachung und möchte damit der Vielschichtigkeit dieses Themas Rechnung tragen. Bestrebungen nach Minimalismus und Vereinfachung durchziehen die gesamte Menschheitsgeschichte. Schon die antike „Simplicitas“ etwa verstand sich als Begriffsanalogie zu „ehrlich“ und „direkt“. Mit dem Fortschritt der komplexer werdenden Technologie entwickelte sich besonders im 21. Jahrhundert ein größeres Bedürfnis nach Vereinfachung. Der Design- und Technologie-Experte John Maeda beschrieb dies in seinem Blog „Laws of Simplicity“ (2006 bis 2013). Das fünfte dieser sogenannten Gesetze lautet: „Unterschiede – Simplizität und Komplexität benötigen sich gegenseitig“. Ohne das eine ist das andere weder erkenn- noch verstehbar.

Anhand der Mehrdeutigkeit der Formel „Mach es einfach“ soll diesem dialektischen Verhältnis von Simplizität und Komplexität nachgegangen werden. Der Satz ist sowohl im Bereich des Motivationstrainings ein beliebter Titel zur selbstoptimierenden Lebensveränderung, als auch in der größer werdenden Gemeinde der Minimalisten, deren Leben vom freiwilligen Verzicht gekennzeichnet ist. Je nach Betonung soll er uns entweder vom Entscheidungsdruck der Multioptionsgesellschaft befreien oder unseren Fokus auf die Handlungsebene verschieben. In letzterer Auslegung kennzeichnet er seinen Befolger als mutigen Antagonisten des (zer-)denkenden Zauderers. Das kann zum couragierten Entschluss zu neuen, visionären Lebensentwürfen führen. Doch der Aufruf zur simplen Handlung hat auch einen faden Beigeschmack. So ist die Maxime des „Einfach machen, nicht denken“ mittlerweile zu einem Diktat mutiert. Wir sollen locker lassen, in uns gehen, achtsam sein. Zudem ist gerade in der aktuellen politischen Landschaft ein Trend zur Vereinfachung zu erkennen, der bittere Züge trägt, etwa wenn der amerikanische Präsident stakkatohaft Twitternachrichten absetzt und damit tatsächlich das Weltgeschehen beeinflusst. Das Glücksversprechen, welches dem „Mach es einfach“ innewohnt wäre also zu hinterfragen.

Die Ausstellung möchte Positionen zeigen, welche in verschiedener Weise die Formel des „Mach es einfach“ repräsentieren und die Inszenierung von Vereinfachung beleuchten. Dies kann ein gesellschaftlicher Tabubruch sein, wie er in der Faszination für „Abkürzungen“ üblicher Wege in der Figur des Hochstaplers zu Tage tritt. Eine Faszination für Oberflächenphänomene oder der Versuch sich während des künstlerischen Prozesses vollkommen auf die nicht-intentionale Handlungsebene zu begeben.