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 Ausstellung     /


Snap Your Identity
Ich-Konstruktionen in der digitalen Welt

 
Eröffnung: 22/08/2019
Ausstellung: 23/08–03/11/2019

 
Mit Arbeiten von Manja Ebert, Sven-Julien Kanclerski, Martina Menegon, Johanna Reich

 
Kuratiert von Dr. Justin Hoffmann

 
Die Digitalisierung hat das Menschenbild stark verändert. Mit Applikationen wie SnapChat, Instagram oder FaceApp ist es heute extrem leicht geworden, sein Gesicht und damit seine Identität zu verändern. Entsprechend häufig werden Filter benutzt, die sowohl der individuellen Verschönerung dienen, als auch die betreffende Person in Phantasiefiguren oder Tiere verwandeln können. Die internationale Gruppenausstellung Snap Your Identity greift diese Darstellungspraktik auf und hinterfragt einerseits ihre Anwendungen in Social Media und andererseits wie die zur Identifizierung dienenden digitalen Bildpraxen (z. B. Gesichtserkennung) im Bereich der Sicherheits- oder Medizintechnologie verwendet werden.

Das Phänomen der Selbstinszenierung kann im Zusammenhang mit einem derzeitigen umfassenden gesellschaftlichen Wandel gesehen werden. Die Philosophin Julian Rebentisch formuliert es in ihrem Buch „Die Kunst der Freiheit“ (2011) folgendermaßen: „An die Stelle der Ethik tritt eine individualistische Ästhetik der Existenz; an die Stelle der Politik tritt deren spektakuläre Inszenierung“. Wobei gerade mit Hilfe von Apps die individualistische Ästhetisierung bizarre und phantastische Züge annimmt. Die Intention dabei ist größtmögliche Aufmerksamkeit zu erregen und so zu sozialer Anerkennung zu gelangen. Im Fokus steht das Streben nach einem außergewöhnlichen Erscheinungsbild, nach einem, das im Gedächtnis haften bleibt und die eigenen Glücksgefühle exponentiell zu den Likes steigert.

Doch die bunten und spaßig daherkommenden Filter stehen im starken Kontrast zur Realität der analogen Welt. Die Künstler*innen der Ausstellung Snap Your Identity setzen sich daher mit den modifizierbaren Selbstdarstellungsmöglichkeiten kritisch auseinander. Martina Menegon etwa stellt die Instabilität des menschlichen Körpers dar, indem sie es mit einer VR-Anwendung ermöglicht, menschliche Körper unnatürlich zu strecken und diese zu deformieren. Sven-Julien Kanclerski thematisiert die Verwendung von Piktogrammen und Emotikons in der individuellen Kommunikation. Mit digitalen Technologien können aber nicht nur Identitäten verändert werden, sondern sie ermöglichen es auch, auf eine bisher unbekannte Weise Identitäten zu bestimmen. Manja Ebert präsentiert eine Installation, bei der das Facetracking-Netz auf dem Gesicht des Betrachtenden sichtbar wird und kreiert so eine unheimliche Spannung zwischen Selbstbeobachtung und Fremdüberwachung. Johanna Reich bearbeitet Ton vor der Kamera einer Face-Detection-App bis das Geknetete als Gesicht identifiziert wird und fordert so die Grenzen der künstlichen Intelligenz heaus.

 
Mit freundlicher Unterstützung von: Stiftung Nierdersachsen, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Stadt Wolfsburg

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